Beschäftigte in ganz Deutschland gehen trotz Krankheit zur Arbeit

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Marie Hopf

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Die Beschäftigtenstudie „How’s work“ zeigt: 50.8% der Beschäftigten gehen manchmal, häufig oder sogar sehr häufig krank zur Arbeit – Frauen eher als Männer. Zudem zeigt sich, dass besonders eine Gruppierung von Beschäftigten häufiger krank zur Arbeit geht.

Präsentismus beschreibt das Verhalten, wenn Personen trotz Unwohlseins oder eingeschränkter Leistungsfähigkeit zur Arbeit gehen (Homrich et al., 2020). Die schädlichen Konsequenzen dieses Verhaltens werden zunehmend mit Evidenz untermauert: Präsentismus erhöht das Risiko zukünftiger Gesundheitsprobleme und langfristiger, krankheitsbedingter Ausfälle. Die Kosten, die durch Präsentismus entstehen, sind Studien zufolge sogar höher als die Kosten, die durch Absentismus – also das Fernbleiben vom Arbeitsplatz trotz Beschwerdefreiheit – entstehen (Kinman, 2019).

Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet trotz Krankheit oder Unwohlsein

Bezogen auf die Frage, ob Beschäftigte in den letzten zwölf Monaten trotz Krankheit am Arbeitsplatz erschienen sind, gaben nur 22,1% der 10.259 Befragten an, nie krank zur Arbeit gegangen zu sein. Somit geht der Großteil der Beschäftigten selten (27.1%), manchmal (28.4%), häufig (13.7%) oder sogar sehr häufig (8.7%) krank zur Arbeit.

Präsentismus tritt bei Frauen häufiger auf

Betrachtet man die prozentuale Verteilung nach Kopfgruppen, wird ein signifikanter Unterschied nach Geschlecht erkennbar (X²(2) = 89.75, p = .000, n = 9.626): Weibliche Beschäftigte gehen häufiger krank zur Arbeit (häufig/sehr häufig: 25.0%) als männliche (häufig/ sehr häufig: 20.0%).

Auch hinsichtlich des Alters ergeben sich ebenfalls statistisch bedeutsame Unterschiede (X²(6) = 33.31, p = .000, n = 9.847). Ein Viertel der Personen im Alter von 50 Jahren und älter geht nie krank zur Arbeit (25.0%). In allen anderen Alterskategorien ist es nur ein Fünftel oder weniger (unter 30 Jahre: 22.6%; 30 bis 39 Jahre: 19.9%; 40 bis 49 Jahre: 20.5%).

54,4% der Beschäftigten sehen Handlungsbedarf

Der Präsentismus hängt positiv mit den quantitativen Anforderungen zusammen. Beschäftigte, die häufiger krank zur Arbeit gehen, geben auch häufiger an, Überstunden zu machen (r = .20, p = .000, n = 10.155) und berufliche Dinge außerhalb der Arbeitszeit zu erledigen (r = .23, p = .000, n = 574).

Darüber hinaus zeigen sich statistisch bedeutsame Unterschiede bezüglich des Handlungsbedarfs bei Stressmanagement- und Resilienztrainings (X²(2) = 82.56, p = .000, n = 5.675): Insgesamt 54.4% der befragten Beschäftigten sehen Handlungsbedarf in diesem Bereich. Bei den Beschäftigten, die häufig oder sehr häufig krank zur Arbeit gehen, sind es sogar 62.2%.

Möchten Sie noch mehr zur Studie „How’s work“ erfahren? Auf LinkedIn teilen wir wöchentlich Clips zu Fakten der Beschäftigtenstudie. Außerdem können Sie den Clip zum Thema Präsentismus anschauen. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, hier das Kapitel zum Thema Präsentismus downzuloaden.

Quellen:

Homrich, P., Dantas-Filho, F. F., Martins, L. L., & Marcon, E. R. (2020). Presenteeism among he-alth care workers: literature review. Revista brasileira de medicina do trabalho : publicacao oficial da Associacao Nacional de Medicina do Trabalho-ANAMT, 18(1), 97–102. https://doi.org/10.5327/ Z1679443520200478

Kinman, G. (2019). Sickness presenteeism at work: prevalence, costs and management, British Medical Bulletin, 129(1), 69–78. doi: 10.1093/bmb/ldy043

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