Covid-19 Impfung

Welche Möglichkeiten gibt es?

Seit Dezember 2020 sind die ersten Impfstoffe in Europa zugelassen. In den meisten Ländern per Notfallzulassung, in Europa über eine bedingte Zulassung. Das bedeutet, dass Deutschland sich dafür entschieden hat, trotz des zeitlichen Drucks das ganz normale Prüfverfahren für Impfstoffe zu durchlaufen.

Grundsätzlich gibt es zwei Unterscheidungen von Impfstoffen: Lebend- und Totimpfstoffe. Alle derzeitig zugelassenen Impfstoffe sind Totimpfstoffe und können nach ihrem Wirkprinzip unterschieden werden in: 

  • Genbasierte Impfstoffe (mRNA- oder DNA-Vakzine) 
  • Vektorbasierte Impfstoffe  
  • Proteinbasierte Impfstoffe  
  • Inaktivierter Impfstoff 

 

Bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs haben viele Hersteller auf neue Methoden gesetzt – wie die sogenannte mRNA-Impfung (Biontech/Pfizer und Moderna) oder Vektorimpfstoffe (AstraZeneca). Sie gehören zu den ersten Impfstoffen, die weltweit gegen das Coronavirus zugelassen wurden und in Deutschland im Einsatz sind. 

mRNA-Impfstoff

Ein mRNA Impfstoff funktioniert so, dass der Teil der mRNA, der für die Spike Proteine des Sars-Cov-2 Virus codiert, in die Zelle der Menschen initiiert wird. Unsere Zellen reagieren auf diese mRNA und bauen die Spike Proteine dann nach. Unser Immunsystem erkennt diese und kann daraufhin Antikörper bilden.

Normalerweise wurde bislang keine mRNA (sozusagen der Bauplan eines Virus oder Teile eines Virus) mit einer Impfung verabreicht, sondern komplette schon abgetötete oder aktive Erreger. Es ist also neu, in dieser Form zu immunisieren.

Wieso ausgerechnet jetzt ein mRNA-Impfstoff?

Ein mRNA-Impfstoff ist wesentlich schneller herzustellen und kann schneller und flexibler an Mutationen angepasst werden, was gerade in der Pandemie von Vorteil ist. Nachteile sind jedoch, dass diese kühl gelagert werden müssen und auch nicht so lange haltbar sind. Die weit verbreitete Sorge darum, dass der mRNA-Impfstoff unsere DNA verändert, stimmt nicht!

Vektorimpstoff

Bei einem Vektorimpfstoff wird ein harmloses Virus (z. B. Adenoviren – das sind normale Erkältungsviren und wurden bei AstraZeneca verwendet) als Transportmittel (Vektor) zum Einschleusen der DNA des Coronavirus in die menschliche Zelle verwendet. Dabei wird der Teil der DNA des Coronavirus, der für die Spike Proteine codiert, „ausgeschnitten“ und in die Vektor-DNA eingebaut. Bei der Impfung dieses Vektorimpfstoffes gelangen diese Vektoren in den menschlichen Zellkern. Dort werden dann durch mehrere biologische Prozesse Spike Proteine nachgebaut, auf die dann unser Körper mit einer Immunisierung antwortet.

Wo wird geimpft?

Die Corona-Impfung erfolgt über Impfzentren und mobile Impf-Teams, die Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser versorgen. Die genaue Organisation unterscheidet sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Auch Hausarztpraxen sollen geringe Mengen an Impfstoff erhalten. Geplant ist, dass sich die Hausärzte aktiv an ihre Patienten wenden und diese zur Impfung einladen.

Empfehlungen

Die Ständige Impfkommission des RKI (STIKO) empfiehlt die Impfung mit einem der beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe (Comirnaty von BioNTech/Pfizer, COVID-19-Vaccine von Moderna) oder einem der beiden zugelassenen Vektor-basierten Impfstoffe (COVID-19 Vaccine AstraZeneca, COVID-19 Vaccine Janssen). Alle Impfstoffe werden von der STIKO als gleich wirksam angesehen und können in allen Alters- und Indikationsgruppen eingesetzt werden. Eigentlich sollten beide verabreichten Impfdosen von einem Impfstoff stammen. Ausnahme bilden hier aber nun Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind und bereits eine erste Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs erhalten haben. Hier wird von der STIKO empfohlen, anstelle der zweiten AstraZeneca-Impfstoffdosis, eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Grund dafür sind die aufgetretenen Hirnthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit einer AstraZeneca Impfdosis und die fehlenden wissenschaftlichen Untersuchungen in dieser Hinsicht.

Nach wie vor werden 80-Jährige und Pflegekräfte sowie medizinisches Personal mit der höchsten Priorität geimpft. Ebenfalls können sich seit dem 24.02.2021 auch Personen, die in Kindereinrichtungen arbeiten mit einer hohen Priorität impfen lassen (s. Einteilung des Bundesministeriums für Gesundheit in höchste, hohe und erhöhte Priorität).

Für stillende oder schwangere Frauen empfiehlt die STIKO die Impfung nicht.

Die Gabe der 2. Impfstoffdosis soll für die mRNA-Impfstoffe nach 6 Wochen und für den AstraZeneca-Impfstoff nach 12 Wochen erfolgen, da dadurch sowohl eine sehr gute individuelle Schutzwirkung als auch ein größerer Effekt der Impfung auf Bevölkerungsebene zu erzielen ist.

Auf Basis der bisher vorliegenden Daten ist anzunehmen, dass die Virusausscheidung bei Personen, die sich trotz einer abgeschlossenen Impfserie infiziert haben, stark reduziert ist und damit das Transmissionsrisiko vermindert ist. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei SARS-CoV-2 ausscheiden (nachgewiesen durch PCR-Testung). Die STIKO empfiehlt daher auch nach Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten.

Für Allergiker gilt: Die derzeitige auf den erfassten Fällen basierende Datenlage ist nicht ausreichend, um eine allergologische Risiko-Bewertung zuzulassen.

Basierend auf der momentanen Datenlage empfiehlt die STIKO im Regelfall die Impfung mit der COVID-19 Vaccine AstraZeneca nur Menschen im Alter unter 60 Jahre, da in dieser Altersgruppe aufgrund der ansteigenden Letalität einer COVID-19-Erkrankung die Nutzen-Risiko-Abwägung eindeutig zu Gunsten der Impfung ausfällt. Obwohl bisher deutlich mehr Frauen von den unterschiedlichen Thrombosen betroffen waren, schränkt die STIKO ihre Empfehlung nach Risiko-Nutzen-Abwägung für beide Geschlechter ein, zumal alternative Impfstoffe ohne dieses Sicherheitssignal verfügbar sind. Die genaue Abschätzung des Risikos bei einer Impfung mit AstraZeneca wird erst in den nächsten Wochen möglich, wenn weitere Studien zur Assoziation und Häufigkeit durchgeführt werden.

Wie lange schützt ein Impfstoff?

Wie gut eine Impfung tatsächlich ist und wie lange sie anhält, ist noch Gegenstand der Forschung. Eine Studie aus Dänemark hat gezeigt: Menschen, die bereits an Covid-19 erkrankt waren, sind zu 80 Prozent vor einer Reinfektion geschützt. Bei den Über-65-Jährigen war das allerdings nur bei 47 Prozent der Fall – vermutlich deshalb, weil das Immunsystem bei älteren Menschen nicht mehr so gut funktioniert wie bei jüngeren. Denn wie der gesamte Körper altert auch das Immunsystem. Es kann nicht mehr so schnell und so gut auf Krankheitserreger reagieren. Deshalb ist es wichtig, auch Menschen zu impfen, die schon mal eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben. Die Impfung verstärkt die Immunantwort und verbessert so den Schutz vor einer Reinfektion.

Da sie erst seit wenigen Monaten in großer Zahl verimpft werden, ist auch bei den Impfstoffen noch nicht klar, wie lange die damit erreichte Immunität tatsächlich anhält. Experten gehen aber nach den bisherigen Daten davon ausdass eine Impfung für mindestens sechs Monate sicher wirktWie gut die Impfstoffe und auch durchgemachte Infektionen vor künftigen Virusvarianten schützenlässt sich heute noch nicht abschätzen. Möglicherweise wird eine regelmäßige Auffrischimpfung mit an die neuen Varianten angepassten Vakzinen erforderlich sein – ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung. Schon jetzt ist zu erkennen, dass Geimpfte – abhängig vom verwendeten Impfstoff – zwar sehr gut vor der britischen, aber weniger gut vor der südafrikanischen und den brasilianischen Varianten geschützt sind. Diese sind so stark mutiert, dass das Immunsystem sie trotz Impfung nicht einwandfrei erkennen kann.

Newsletter Mai 2021 Titelbild

Blick in den Newsletter: