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Aus den Aktivitäten des IFBG

26
Januar 2017

Absentismus reduzieren oder Präsentismus fördern?

Gesund sein lohnt sich. Damit dies nicht länger nur eine Binsenweisheit bleibt, möchte die DAIMLER AG dies nun neuerdings mit einem Belohnungssystem unterstützen. Bis zu 200 Euro brutto sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pro Jahr erhalten, wenn Sie keinen Tag arbeitsunfähig sind. Dies soll Teil einer neuen Betriebsvereinbarung sein, die auch entsprechende Gesundheits-Checks vorsieht. Nicht arbeitsunfähig zu sein, ist erstrebenswert. Aber ist eine Belohnung für dauerhafte Präsenz der richtige Weg?

Falsche Anreize können den Präsentismus fördern

Die Einführung einer Gesundheitsprämie ist unter Gesundheitswissenschaftlern und BGM-Experten höchst umstritten. „Solche finanziellen Anreize können dazu führen, dass Beschäftigte häufiger leistungseingeschränkt zur Arbeit kommen“, so Dr. Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG): „Das kann wiederum die Fehlerwahrscheinlichkeit und die Unfallgefahr bei der Arbeit erhöhen sowie die Verschleppung oder Weitergabe von Krankheiten fördern. Am Ende hat man als Arbeitgeber also eventuell nicht den erhofften Mehrwert, sondern einen größeren Schaden.“ Hinzukommt, dass angeschlagene Beschäftigte nicht die Produktivität und Leistung erbringen, die sie üblicherweise erbringen können.

Die iga.Fakten aus dem Jahr 2007 (s. hier) zeigen auf, dass der Präsentismus einen nicht unerheblichen Teil an Kosten verursacht, die bspw. aufgrund von Produktivitäts- oder Bruttowertschöpfungsverlusten entstehen. Die iga.Fakten weisen zudem darauf hin, dass der Präsentismus weitaus verbreiteter ist als der Absentismus, also das krankheitsbedingte Fernbleiben vom Arbeitsplatz.

Häufig nur den Krankenstand als Kennzahl im Blick

Noch immer herrscht in deutschen Unternehmen eine starke Fokussierung auf den Krankenstand als Kennzahl für den Gesundheitszustand von Belegschaften. Dass diese Sichtweise jedoch zu kurz greift, da die tatsächliche Gesundheitssituation der tagtäglich anwesenden Beschäftigten dabei außer Acht gelassen wird, vergessen viele Unternehmensverantwortliche. Auf die „Problemkennzahl“ Krankenstand verweist auch IFBG-Experte Prof. Dr. Filip Mess: „Nicht nur die unzureichende Validität dieser Kennzahl ist kritisch zu sehen, sondern auch die Tatsache, dass der Krankenstand stark von der Wirtschaftssituation eines Unternehmens abhängt oder von externen Faktoren beeinflusst wird.“ Für den Experten des IFBG und den Lehrstuhlinhaber der TU München steht fest: „Hier ist ein Paradigmenwechsel notwendig – in Richtung stärke Präsentismusorientierung.“ Zudem sollten andere Möglichkeiten diskutiert werden, wie gesundheitsbewusstes Verhalten honoriert werden kann.

Haben Sie Interesse an den Themen Präsentismus und Kennzahlen im BGM, dann kontaktieren Sie uns gerne jederzeit unter info@ifbg.eu oder über unser Kontaktformular. Das IFBG berät Unternehmen zudem beim Auf- und Ausbau ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) und ist spezialisiert auf gesundheitsspezifische Bedarfsanalysen in Form von Mitarbeiterbefragungen.

Hier geht es zur Meldung der FAZ „Daimler zahlt jetzt Bonus für Anwesenheit“.

Tags: Kennzahlenmanagement, Krankenstand