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02
April 2020

Behandlung von Schlafproblemen: Verhaltenstherapie vs. Hilfsmittel

Männliche Person im Bett

Mehr als zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland sind laut dem Barmer Gesundheitsreport von 2019 zumindest zeitweise von Schlafstörungen betroffen. Die Erschöpfung einer durchwachten Nacht beeinträchtigt besonders Erwerbstätige im Arbeitsalltag. Um sich in solch einer Situation Abhilfe zu beschaffen, greifen Betroffene oft zu jeglichen Hilfsmitteln, die auf dem Markt angeboten werden. 

Krankenkassen bieten immer häufiger Maßnahmen an

Ein Beispiel wären online angebotene Schlaftrainings, die auch von der Krankenkasse bezuschusst werden. Und das nicht ohne Grund! Denn guter Schlaf trägt nicht nur zum allgemeinen Wohlbefinden bei, sondern hat auch langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit. Folgen können Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Burn-Out oder Gewichtsprobleme sein. Außer die individuelle Gesundheit, beeinflussen Schlafstörungen auch die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden während der Arbeit. Die Zahlen des Gesundheitsreports der Barmer sprechen diesbezüglich für sich: von Schlafstörungen Betroffene sind rund 4,8-mal häufiger von Arbeitsunfähigkeit betroffen und 6,1-mal länger krankgeschrieben, als Beschäftigte ohne Schlafprobleme.

Konsum von Hilfsmitteln zur Selbstbehandlung steigt

Allgemein sind circa sechs Prozent aller erwerbstätigen Deutschen von Schlafstörungen betroffen, wobei in dieser Zahl die große Dunkelziffer unbehandelter Betroffener nicht berücksichtigt wird. Viele lassen sich bei Schlafproblemen gar nicht erst ärztlich behandeln, sondern greifen direkt zu anderweitigen Hilfsmitteln. Dies hat als Hintergrund, dass Betroffenen oft gar nicht bewusst ist, dass es sich in ihrem Fall um eine Schlafstörung handelt. Daraufhin wird zu Maßnahmen der Selbstbehandlung gegriffen und der (Gesundheits-)Markt um den Schlaf wächst und wächst. Von Fitness-Armbändern mit Schlaf-Tracker, Gesundheits-Apps und Schlafdrinks über spezielle Geräusch- und Lichtkulissen. Problematisch ist bei diesen Methoden jedoch oft, dass Untersuchungen zur wissenschaftlichen Wirksamkeit fehlen. Zum einen kann dies zu Fehldiagnosen und Verunsicherung bei gesunden Personen führen und andererseits Personen mit tatsächlichen Schlafstörungen suggerieren, dass kein Problem besteht. Dazu kommt, dass Schlafmitteln zur Einnahme kritische Inhaltsstoffe enthalten können. Beispielsweise liegen Produkte mit dem Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) gerade voll im Trend. Diese können aber gesundheitsbeeinträchtigende Mengen des psychoaktiven Stoffes THC enthalten, und sind somit schädlich für die Verbraucher. Trotz des fehlenden wissenschaftlichen Hintergrunds sind solche Hilfsmittel, durch ihr schnelles Lösungspotential sehr attraktiv für Verbraucher. Bleibt die Wirksamkeit jedoch aus, so bringen die Methoden keinen Mehrwert mit sich. Die empfohlene Behandlungsmaßnahme für Schlafstörungen von der Deutschen Gesellschaft Schlafforschung ist und bleibt daher die kognitive Verhaltenstherapie. In solch einer Therapie werden Betroffene über gesundes Schlafverhalten aufgeklärt und erlernen mithilfe von Entspannungsübungen, dem Hinterfragen von schlafschädigenden Gedanken und geführtem Schlaftraining, wieder richtig zu schlafen. In eine gesunde Schlafhygiene spielen noch viele andere Aspekte wie gesunde Gewohnheiten, Regelmäßigkeiten im Alltag und der Verzicht auf Aufputschmittel hinein.

Arztbesuch bei Schlafstörungen ratsam

Sollten sich Schlafprobleme jedoch auf mehr als drei Nächte pro Woche, über einen Zeitraum von vier Wochen auswirken und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen, so wird zu einem Arztbesuch geraten. Die danach verschriebene Verhaltenstherapie kann dann auch tatsächlich, wie im Anfangsbeispiel genannt, in Form eines Online-Kurses durchgeführt werden. Als Verbraucher auf dem Gesundheitsmarkt sollte man hierbei einfach immer die Wirksamkeit der Angebote im Blick behalten. So schützt man sich und seine Gesundheit vor Methoden die keine Veränderung mit sich bringen, oder die Gesundheit sogar negativ beeinträchtigen.

Auch Unternehmen können etwas für den guten Schlaf ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun. Das Thema rückt immer mehr in das Bewusstsein der Verantwortlichen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement von Unternehmen. Auch das IFBG bietet verschiedene Maßnahmen im Bereich Schlaf an, die Sie hier einsehen können.

Dieser Beitrag lehnt sich an einen Artikel der WELT zum dem Thema an, den Sie hier nachlesen können.

Tags: gesunder Schlaf, Schlaf und Erholung