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21
September 2020

Das Phänomen Medien-Multitasking

Vielfaches Nutzen verschiedener Geräte

Die besten Tipps rund um das Phänomen Medien-Multitasking

„Technostress“, „Arbeit 4.0“, „FOMO“ oder „IoT“ – vielleicht haben Sie schon einmal von einem oder mehreren dieser Schlagwörter gehört? Sie sind allesamt im Zuge der Digitalisierung entstanden (Wohlers & Hombrecher, 2016). Allein seit der Markteinführung des ersten iPhones im Jahr 2007 hat sich die Anzahl der Smartphone-Nutzer überschlagen. In Deutschland nutzen über 80 % der über 14-Jährigen ein Smartphone, weltweit sind es insgesamt ca. 2 Milliarden Menschen (Duke & Montag, 2017; Gimpel et al., 2019). Doch nicht nur das Smartphone, sondern auch andere digitale Geräte wie z. B. Tablets, Smartwatches oder Laptops bestimmen heutzutage den Alltag – und das nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Berufsleben.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Medien-Multitasking“?

Der Begriff leitet sich vom Begriff „Multitasking“ ab, d. h. in einem bestimmten Zeitrahmen viele (lateinisch: „multi“) Aufgaben (englisch: „task“) zu erledigen (Baethge & Rigotti, 2010; Spitzer, 2012). Medien-Multitasking steht für die gleichzeitige Bearbeitung von zwei oder mehr Aufgaben, wobei mindestens eine Aufgabenbearbeitung durch die Nutzung eines digitalen Mediums erfolgt (Wang et al., 2015). Die Aufgaben werden – wie beim Multitasking – simultan oder sequenziell bearbeitet. Medien-Multitasking kann dabei drei Ausprägungen haben:

  1. Die gleichzeitige Bearbeitung von zwei oder mehr verschiedenen Aufgaben erfolgt durch die Kombination der Nutzung eines digitalen Mediums und einer nicht-medialen Aktivität. Ein Beispiel dafür ist, eine Mail am Computer zu schreiben und eine Rechnung auf einem Blatt Papier aufzustellen.
  2. Zwei oder mehr verschiedene digitale Medien werden gleichzeitig genutzt (d. h. für jede Aufgabenbearbeitung wird ein digitales Medium genutzt, z. B. eine Mail am Laptop schreiben und mit einem Kunden per Smartphone telefonieren).
  3. Zwei oder mehr verschiedene Aufgaben werden gleichzeitig auf demselben digitalen Medium bearbeitet (z. B. eine Mail schreiben und ein Video auf dem Computer ansehen) (Jeong & Hwang, 2016; Reinecke et al., 2017).

Zwar ist Medien-Multitasking in unserer digitalisierten Welt ein weit verbreiteter Verhaltensstil, jedoch gibt es einige wissenschaftliche Belege dazu, dass Medien-Multitasking die kognitive Leistungsfähigkeit und psychische Gesundheit des Menschen negativ beeinflusst. So wirkt sich Medien-Multitasking bspw. negativ auf das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und das Verständnis aus. Darüber hinaus führt Medien-Multitasking zu einer verlängerten Dauer von Aufgabenbearbeitungen und ist somit nicht effizient. Zudem führt langanhaltendes Medien-Multitasking zu negativen Affekten und vermindert die Selbstkontrolle.

Was können Sie für Ihre Mitarbeitenden bzw. sich selbst tun, um Medien-Multitasking zu regulieren?

  • Definieren Sie im Team Erreichbarkeitserwartungen bzw. schränken Sie diese ein.
  • Ressourcenstärkung: Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden psychologische Kursangebote an, die die Selbstregulationsfähigkeit und den Verhaltensstil des Single-Taskings kräftigen. Szumowska et al. (2018) verdeutlichen, dass häufiges Medien-Multitasking und Aufgabenwechseln nur bei Menschen mit einer schwachen Selbstregulation auftritt.
  • Bilden Sie im Team Aufmerksamkeits-Manager aus, die als Coach für Mitarbeitende mit einem ausgeprägten Medien-Multitasking-Verhalten verfügbar sind.
  • Etablieren Sie nicht-digitale Mittagspausen im Team und errichten Sie „No-Phone-Zones“ im Unternehmen (bspw. in der Teeküche). Denn erwiesenermaßen haben persönliche Kontakte – ohne die gleichzeitige Nutzung digitaler Medien – positive soziale und psychologische Effekte (Xu et al., 2016).
  • Errichten Sie Blockzeiten, in denen Sie weder für Kunden noch für Ihre Kollegen erreichbar sind. Das beinhaltet ebenfalls das Ausschalten der digitalen Medien, die für Ihre aktuelle Aufgabenbearbeitung nicht relevant sind und bspw. die Kenntlichmachung der Blockzeit durch ein Stoppschild an der Bürotür, um konzentriertes Arbeiten zu gewährleisten.
  • Erstellen Sie To-Do-Listen (und Aufgabepakete) mit einer Reihenfolge und versehen Sie Ihre Aufgaben mit Prioritäten. Somit können Sie ungeplante Aufgabenbearbeitungen, die zu häufigen Aufgabenwechseln führen, vermeiden.
  • Arbeitsplatzgestaltung: Schaffen Sie digitale und ablenkende Medien, die für die Aufgabenbearbeitung nicht relevant sind, während der Arbeitszeit aus Ihrem Sichtfeld (v. a. das private Handy, vgl. Bellur et al., 2015).
  • Gestalten Sie Ihren Arbeitstag mit abwechslungsreichen Aufgaben. Dadurch werden unterschiedliche kognitive Ressourcen beansprucht, die die Aufmerksamkeit und gleichzeitig das Interesse auf einem hohen Niveau gehalten. Gemäß Srivastava et al. (2013) werden interessante/relevante Inhalte besser verarbeitet und erinnert als irrelevante.
  • Sorgen Sie für erholsame Pausen, um sich von kognitiven Überlastungen und negativen Affekten infolge des Medien-Multitaskings regenerieren zu können (BAuA, 2019).

 

 

Tags: Digitalisierung, ständige Erreichbarkeit, Stress und Digitale Balance, Stressbewältigung, Digitale Balance, Personal, Offline