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Aus den Aktivitäten des IFBG

02
Mai 2016

Digitalisierte Gesundheit – neue Herausforderung für Public Health

Seit über 80 Jahren erscheint monatlich die Zeitschrift „Das Gesundheitswesen“, die umfassend über aktuelle Themen aus dem Bereich der Gesundheit informiert. Bezugnehmend auf das Gesetz zur E-Health, das Anfang 2016 in Kraft trat und als Grundstein für eine konzentrierte Entwicklung der „digitalisierten Gesundheit“ gilt, haben Christoph Dockweiler und Oliver Razum kürzlich Herausforderungen und Chancen in der Beziehung von E-Health und Public Health aufgezeigt.

„Public Health ist für E-Health unentbehrlich“

Zu diesem Fazit kommen die beiden Autoren des Artikels „Digitalisierte Gesundheit – neue Herausforderungen für Public Health“. Sie zeigen dies an verschiedenen Kriterien auf, die nachfolgend erläutert werden. Zunächst fehlt eine einheitliche Definition von E-Health. Grundsätzlich lässt sich E-Health in die fünf Gestaltungsbereiche Inhalte, Ökonomie, Vernetzung, Gesundheit und Versorgung unterteilen. Eine trennscharfe Abgrenzung ist jedoch nicht möglich, die Ebenen gehen Hand in Hand. Darüber hinaus erweitern sich durch die technische Fortentwicklung die Möglichkeiten an Interventionen so sehr und so schnell, dass eine Diskussion über soziale oder gesundheitsbezogene Konsequenzen oftmals erst im Nachhinein erfolgt. So bleibt notgedrungen ein schmaler Grat zwischen Erkenntnisgewinn und Datenmissbrauch bestehen: Welche gesundheitsrelevanten Vorgänge sind tatsächlich noch verhältnismäßig? Eine gewisse Transparenz erscheint daher notwendig. Zugleich bedarf es eine Diskussion mit den Nutzern, nicht nur über sie.

Eine wesentliche Erkenntnis, die sich aus der Public Health ergeben hat, ist die Tatsache, dass soziale Ungleichheit mit gesundheitlicher Ungleichheit einhergeht. Grundsätzlich soll E-Health einen breiten Zugang ermöglichen, der lokale Grenzen umgeht. Man erhofft sich, die Versorgungssicherheit und -qualität in Gebieten mit gering ausgebauter medizinischer Infrastruktur zu verbessern und die Chancen, Gesundheitsinformationen zu erhalten, zu erhöhen. Tatsächlich jedoch ist die Verfügbarkeit mobiler Endgeräte (z. B. Smartphone) nur begrenzt (bspw. aus finanziellen Gründen). Letztlich steht E-Health also vor dem Problem, dass die Kluft zwischen sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher Ungleichheit letztlich vergrößert werden könnte. Es bedarf einer Diskussion, die aus Sicht der Autoren letztlich nur die Kerndisziplin Public Health bieten kann.

Industrieunabhängige Begleitforschung notwendig

Wie suchen Menschen nach Informationen zur Gesundheit? Welche Auswirkungen ergeben sich auf die soziale und psychische Gesundheit? Wie erfolgt eine technikunterstützte Gesundheitsversorgung? Diese Schlüsselfragen zeigen auf, dass technologische Innovationen letztlich auch soziale sind. Einblicke auf die Auswirkungen der E-Health auf das Individuum sind mittlerweile durch „Big Data Analysis“ in wesentlich größerem Umfang möglich als noch vor einiger Zeit. Doch insbesondere durch die Verwendung von privaten Daten sehen sich Gesundheitsapplikationen (Gesundheits-Apps) oftmals ethischen und rechtlichen Herausforderungen gegenübergestellt. Und so zeigt sich, dass nur eine industrieunabhängige, kritische Begleitforschung, die den Menschen und nicht die Technologie ins Zentrum stellt, unentbehrlich für die Realisierung der E-Health ist.

Über die Public Health hinausgehende Informationen zur digitalen Gesundheitsförderung im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) können Sie unter folgendem Link abrufen: http://www.ifbg.eu/digitale-bgf

Tags: digitale BGF, E-Health