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19
März 2018

Dr. Utz Niklas Walter zum Thema Mittagschlaf im Interview mit dem SÜDKURIER

Hier geht's direkt zum Artikel im SÜDKURIER

Mehr als ein Drittel – 35 Prozent – der Menschen in Baden-Württemberg wünscht sich einen regelmäßigen Mittagsschlaf. Das hat die Studie "Schlaf gut, Deutschland" der Techniker Krankenkasse ergeben. Bundesweit seien es etwa 29 Prozent. Die Umfrage wurde im Auftrag der TK vom Meinungsforschungsinstitut Forsa erstellt.

Für Dr. Utz Niklas Walter, Schlafexperte vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), ist das nicht überraschend. Er hält einen Mittagsschlaf für essentiell und plädiert für die Einrichtung von Schlafräumen in Unternehmen. Im Interview mit dem SÜDKURIER verrät er außerdem, worauf man beim Schlaf generell achten sollte, um im Alltag fitter zu sein.

Südkurier: Ist ein Mittagsschlaf nicht eigentlich was für Senioren oder kleine Kinder?

Dr. Utz Niklas Walter: Nein, das sehe ich anders. Gucken Sie mal gegen 14 Uhr in eine Universitätsbibliothek, da liegt ein großer Teil der Studierenden mit ihrem Kopf auf ihrem Buch. Das Mittagstief, auch scherzhaft Suppenkoma genannt, ist ein ganz natürlicher Zustand. Zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland wünscht sich regelmäßig oder manchmal einen Mittagsschlaf. Das heißt, unsere Gesellschaft ermöglicht es uns kaum noch, unserem Bedürfnis nachzugehen. Das ist in anderen Ländern anders, da gibt es beispielswiese die Siesta, da geht man diesem Bedürfnis mal eher nach. Also ist ein Mittagschlaf nicht nur etwas für Kinder und Senioren, sondern für alle empfehlenswert.

Südkurier: Wie soll der Schlaf am Mittag aussehen?

Dr. Utz Niklas Walter: Es gibt eigentlich zwei Möglichkeiten: Entweder Sie schlafen wirklich ganz kurz, 15 Minuten ab dem Zeitpunkt des Einschlafens – auch als Power Nap bekannt. Dieser lässt sich meist auch in die Pausenzeit am Arbeitsplatz integrieren. Dann sind Leistungsverbesserungen von bis zu drei Stunden im Bereich Konzentrationsfähigkeit, Wohlbefinden und Grundgestimmtheit am wahrscheinlichsten. Wenn Sie länger schlafen, drohen Sie in die Tiefschlafphase zu fallen und dann erreichen Sie den gegenteiligen Effekt. Das kennen Sie vielleicht, Sie wachen auf und fühlen sich gerädert. Das zweite Modell ist, richtig lange zu schlafen: Man sollte da schon mindestens zwei Stunden schlafen um einen kompletten Zyklus aus Leicht-, Tief- und REM-Schlaf zu durchlaufen. Das bedeutet jedoch auch, dass Sie abends erst sehr spät einschlafen können. Dieses Modell eignet sich eher für Nachtschwärmer oder Schichtarbeitende.

Südkurier: Was bedeutet das konkret für die Unternehmen?

Dr. Utz Niklas Walter: Es kommt immer mehr, dass Unternehmen auch Schlaf- oder Ruheräume einrichten. In Schlafräumen sollte es ausdrücklich nur gestattet sein, zu schlafen. Ganz wichtig sind da auch Diskretionsregeln, dass es abgetrennte Schlafbereiche mit Liegen gibt und hohe Hygienestandards. Und dann sollte innerhalb des Unternehmens zuerst mal Akzeptanz geschaffen werden. Wichtig ist, dass der Raum angenehm ist und idealerweise auch zentral liegt, so dass er möglicherweise direkt im Anschluss ans Essen in der Kantine aufgesucht werden kann. Es sollte kein Kellerraum sein, der gerade durch Zufall leer steht, das wird nicht für Akzeptanz sorgen.

Südkurier: Wie realistisch ist das? Gibt es schon Unternehmen, die so einen Schlafraum haben?

Dr. Utz Niklas Walter: Ein richtiger Schlafraum mit Verhaltensregeln ist uns in der Region bisher nicht bekannt. Wir wissen aber, dass das deutschlandweit immer mehr kommt und sich immer mehr Unternehmen öffnen. Das zeigt sich auch bei Neubauten, bei denen von Beginn an mit einem Schlafraum geplant wird. Von einer flächendeckenden Umsetzung sind wir in Deutschland aber noch sehr weit weg. Startups oder jüngere Unternehmen sind meist schon einen Schritt weiter. 

Hier gelangen Sie zum vollständigen Interview mit dem SÜDKURIER.

Wenn Sie Fragen zum Themenfeld Schlaf und Erholung haben, können Sie uns jederzeit kontaktieren oder hier unsere Slideshow herunterladen. Darin zeigen wir u. a. auf, welche Maßnahmen Unternehmen und Behörden ergreifen können, um ihre Beschäftigten in Bezug auf den Schlaf besser zu unterstützen.

Tags: Schlaf und Erholung