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Aus den Aktivitäten des IFBG

22
Januar 2016

„FORSTaktiv mobil“ – Moderne Sturzprävention durch aufsuchende Gesundheitsförderung

Forstwirte zählen zu den wohl am schwierigsten zu erreichenden Beschäftigten im Zuge der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Meist sind sie in einem großen Waldgebiet so weitläufig verteilt, dass sie mit klassischen Gesundheitsmaßnahmen kaum angesprochen werden können. Der Landkreis Calw hat gemeinsam mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) eine Intervention entwickelt, die das Problem der schwierigen Erreichbarkeit (Allokation) lösen soll.

Gesundheitsförderung als Ritual

Im Januar 2016 startete das Projekt „FORSTaktiv mobil“, das den Gedanken der aufsuchenden Gesundheitsförderung auch im Forst realisiert. Bis Juli 2016 an werden die Forstwirte und Waldarbeiter des Landkreises Calw wöchentlich von einem speziell geschulten IFBG-Trainer im Wald aufgesucht und dort in Kleingruppen trainiert. Zielstellung der 30-minütigen Trainingseinheiten ist die Reduktion von körperlichen Beschwerden und von Unfällen durch Stürze im Arbeitsalltag. Hierfür wird ein Trainingsmix aus sensomotorischen und funktionalen Ganz-Körper-Übungen gewählt, der sich an den beruflichen Anforderungen der Forstwirte orientiert. Ziel ist es, die Beschäftigten des Forstbetriebs dazu zu bringen, sich regelmäßig und selbstständig auf die hohen körperlichen Anforderungen bei der Arbeit vorzubereiten Die Anwendung der Übungen soll zu einer Art Ritual werden – ähnlich wie es das Aufwärmen für Wettkampfsportler ist.

Neben dem aufsuchenden Training unter Anleitung des IFBG-Coachs und neben dem eigenständigen Training der Teilnehmer sieht die Intervention insgesamt auch drei Hallentrainingstage mit allen Beschäftigten vor. Hier sollen neben der Vermittlung von Wissen über Training und Regeneration auch Aktivierungssequenzen einschließlich Teambuildingmaßnahmen im Fokus stehen.

Wissenschaftliche Begleitung

Um zu überprüfen, ob die sechsmonatige Intervention tatsächlich dazu führt, dass körperliche Beschwerden und die Sturzhäufigkeit reduziert werden, wird das gesamte Projekt vom IFBG wissenschaftlich begleitet. Durch leitfadenorientierte Interviews, aber auch objektive Motoriktests wurden bei der Eingangsmessung am 19. Januar 2016 zahlreiche Parameter erhoben, die im Juli erneut überprüft werden. In die Interviews wurden zudem Fragen zu den psychosozialen Belastungen bezüglich der Waldarbeit integriert, so dass die Forstverwaltung auch der gesetzlichen Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung nachkommt. Ein weiterer Mehrwert: Aus den erhobenen Daten lassen sich individuelle Health-Reports für die Studienteilnehmer erstellen, die sie (anonymisiert) erhalten. Hier erfahren die Forstwirte und Waldarbeiter, wie es bspw. um ihre Gesundheit, ihr Aktivitätsverhalten und ihr Ernährungsverhalten bestellt ist.

Das Projekt „FORSTaktiv mobil“ stellt in dieser Form eine Innovation innerhalb der forstbezogenen Gesundheitsförderungdar. Das Projekt im Landkreis Calw könnte ein Modellprojekt auch für andere Forstbetriebe in Deutschland sein. Unterstützt und gefördert wird das Projekt daher auch von der Unfallkasse Baden-Württemberg und dem Landesforstbetrieb FORST BW.

Tags: Aufsuchende Gesundheitsförderung, Erfolgsmessungen, Evaluation