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17
Juli 2020

Gesunde Nacht- und Schichtarbeit

Hier können Sie sich das Factsheet als PDF-Datei direkt herunterladen!

Beschäftigte, die im Schichtbetrieb arbeiten, sind einer Vielzahl besonderer Herausforderungen und Aufgaben ausgesetzt, derer sich sowohl Arbeitnehmer selbst als auch Arbeitgeber annehmen sollten. Unser Factsheet beinhaltet die wichtigsten Informationen.

1. Begriffsklärung

Schichtarbeit bezeichnet eine Arbeitszeitregelung, die im Laufe eines Tages eine in bestimmten aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten wechselnde Besetzung eines Arbeitsplatzes mit mehreren Arbeitskräften vorsieht (BGAG-Report, 2001). Einfacher gesagt: Schichtarbeit ist Arbeit zu wechselnden Arbeitszeiten (Rutenfranz et al., 1977).

§Man spricht laut Arbeitszeitgesetz von Nachtarbeit, wenn mehr als zwei Stunden der Arbeitszeit in den Zeitraum zwischen 23 und 6 Uhr fallen (im europäischen Raum: zwischen 0 und 5 Uhr). 

2. Status Quo

Die moderne Gesellschaft hat vermehrt den Wunsch nach „Rund-um-die Uhr“-Dienstleistungen mit hoher Qualität und kurzen Lieferzeiten. Daraus resultiert eine Zunahme von Schichtarbeit sowohl im Dienstleistungsbereich als auch im produzierenden Gewerbe (Notwendigkeit der Vollauslastung). Im Jahr 2012 arbeiteten 23,8 Millionen (59,7 Prozent) der Erwerbstätigen in Deutschland ständig, regelmäßig oder gelegentlich am Wochenende, nachts oder in Wechselschichten. Im Vergleich: 1991 lag der Anteil noch deutlich niedriger. Da waren es 44 Prozent der Erwerbstätigen in den alten Bundesländern und 36 Prozent in den neuen Bundesländern.

3. Rechtliche Hinweise

  • Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei sein (§11 ArbZG).
  • Werden Arbeitnehmer an einem Sonntag beschäftigt, müssen sie einen Ersatzruhetag haben (§11 Abs. 3 ArbZG). Unter „beschäftigt werden“ fallen dabei alle Formen der Arbeit, also auch: Überstunden, Bereitschaftsdienste, Visitendienste, Rufbereitschaftsdienste und die bloße Rufbereitschaft selbst.
  • Tägliche Ruhezeit (Artikel 3 der Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates vom 4.11.2003 über best. Aspekte der Arbeitszeitgestaltung): Die Mitgliedsstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, damit jedem Arbeitnehmer pro 24-Stunden-Zeitraum eine Mindestruhezeit von 11 zusammenhängenden Stunden gewährt wird.
  • Mitarbeiter im Nachtdienst können unter bestimmten Voraussetzungen verlangen auf einen Tagarbeitsplatz umgesetzt zu werden (§6 Abs. 4 ArbZG), z. B. aufgrund attestierter Nachtschichtuntauglichkeit, Verpflichtung zur Kinderbetreuung, Versorgung schwerpflegebedürftiger Angehöriger.
  • Die Arbeitszeit im Schichtdienst (auch für Nachtarbeit gilt der Grundsatz des 8-Stunden-Tags) beträgt grundsätzlich nur 8 Stunden (§6 Abs. 2 Satz 1 ArbZG).
  • Eine Nachtschicht darf auf 10 Stunden verlängert werden (§6 Abs. 2 Satz 2 ArbZG), aber nur, wenn innerhalb eines Kalendermonats bzw. innerhalb von vier Wochen werktags durchschnittlich nur 8 Stunden gearbeitet wurde.

4. Herausforderungen

  • Beschäftigte in Schichtsystemen sind im Vergleich zu Beschäftigten ohne Schichtarbeit verstärkt mit physischen und psychischen Belastungen konfrontiert (BAuA, 2006; Beermann, 2009). 
  • Dies betrifft speziell die Bereiche Schlaf, soziale Beziehungen, Ernährung/Tabak/Alkohol.

5. Folgen

  • Schlafstörungen führen zu Konzentrationsproblemen, Nervosität, vorzeitiger Ermüdung, Appetitlosigkeit, ggf. sogar zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen (Brüning et al., 2009).
  • Es liegen valide Befunde zu einem Zusammenhang von Nacht-/Schichtarbeit und einer erhöhten Unfallgefährdung vor (Folkard, 2002; Beermann, 2009). 
  • Fehlende soziale Beziehungen können zu psychosozialen Erkrankungen führen; schlechte Ernährung/Tabak/Alkohol zunächst vor allem zu körperlichen Problemen (insb. Herz-Kreislauf-Erkrankungen).
  • Verminderte Leistungsfähigkeit und erhöhte Müdigkeit führen zu mehr Fehlern und längeren Reaktionszeiten (Beermann, 2009).
  • Durch eine hohe Anzahl aufeinanderfolgender Schichten kann es zu weiteren Leistungs- und Produktivitätseinbußen kommen (Hänecke et al., 1998).

Das vollständige Factsheet inkl. Handlungsempfehlungen und Checkliste für die Praxis können Sie sich hier als PDF-Datei herunterladen.

Tags: Arbeitsplatz, Schichtarbeit