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Aus den Aktivitäten des IFBG

20
September 2018

Gute Nacht, Arbeitswelt! Schlaf als Gesundheitsthema der Zukunft

Das deutsche Schimpfwort „Penner“ unterstreicht es ganz deutlich: Wer viel schläft, gilt hierzulande vor allem als schwach und wenig produktiv. Daran hat sich auch durch den Bedeutungszuwachs des Themas Achtsamkeit nicht viel geändert. Wenn es ums Schlafen geht, hört die Akzeptanz in Deutschlands Betrieben und Behörden in der Regel auf: Wer sich am Nachmittag für einen Mittagsschlaf zurückzieht, wird häufig belächelt. Wer hingegen nahezu ohne Pausen durcharbeitet, erntet häufig ein staunendes „Wow, Sie sind aber fleißig!“.  

Diese „Kultur der Unachtsamkeit“ wird in vielen deutschen Betrieben von Generation zu Generation weitergegeben. Und das, obwohl sich 67 Prozent der Beschäftigten manchmal oder regelmäßig eine Schlafpause am Nachmittag wünschen – ob jung oder alt. Sorgen wir in Deutschland also weiterhin dafür, dass Erwerbstätige ihrem erhöhten Schlafbedürfnis am Nachmittag nicht nachgehen können, verschenken wir enorme Chancen für Produktivitätszuwächse und höheres Wohlbefinden. Das verdeutlichen zahlreiche Studien, die sich auf den Nutzen von Schlafpausen beziehen (u. a. Milner & Cote, 2009; Lovato & Lack, 2010). So gelten etwa positive Auswirkungen auf Grundgestimmtheit, kognitive Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit als nachgewiesen. Lediglich bei Personen mit Schlafstörungen ist Vorsicht geboten, da eine mittägliche Schlafperiode den Schlafdruck am Abend reduzieren kann. 

Bloß nicht zu lange "nappen"

Wer als Arbeitgeber oder Ausbildungsleiter beim Wort „Schlafpause“ nun immer noch innerlich aufschreit, der kann beruhigt sein: Eine mittägliche Schlafperiode sollte in der Regel kurz sein. Die verlässlichsten Studien zeigen, dass eine Schlafpause am Mittag nicht länger als 15 Minuten dauern sollte – und zwar ab dem Zeitpunkt des Einschlafens (Fushimi et al., 2008; Tietzel & Lack, 2002). Dann sind unmittelbare Leistungsverbesserungen von bis zu drei Stunden am wahrscheinlichsten. Wer hingegen länger als 15 Minuten schläft, kann aus dem Tiefschlaf erwachen und unliebsame Erfahrung mit dem Phänomen Schlaftrunkenheit machen.  

Was können Unternehmen tun?

Das Thema Schlafpausen im Alltag ist jedoch nur ein Handlungsfeld, an dem Arbeitgeber und Ausbildungsleiter in Deutschland ansetzen können. Die Studie „Schlaf gut, Deutschland“ der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2017 hat deutlich gezeigt, dass es auch bezogen auf den Nachtschlaf hohen Unterstützungsbedarf gibt. Etwa jeder Dritte Erwerbstätige in Deutschland schläft mittelmäßig oder schlecht (Wohlers & Hombrecher, 2017). Insbesondere Durchschlafprobleme sind verbreitet. Doch was können Unternehmen und Behörden konkret tun, um ihre Beschäftigten allgemein beim Thema Schlaf zu unterstützen? Denkbar sind zum einen verhaltensbezogene Maßnahmen, wie die Aufklärung zum Nutzen von Schlaf, Impulsvorträge und Schlafberatungsseminare oder aber auch die Ausbildung von Beschäftigten zu so genannten Schlafbotschaftern. Zum anderen sind verhältnisbezogene Maßnahmen möglich, wie etwa Veränderungen des Schichtsystems und betrieblicher Pausen- und Gleitzeitregelungen oder die Berücksichtigung von Chronotypen bei Stellenbesetzungen (Eule vs. Lerche). 

Möchten Sie mehr über das Thema Schlaf und Erholung und mögliche Maßnahmen zur Einbindung im Unternehmen erfahren? Dr. Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) spricht auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress (DALK) am 22./23. November 2018 über dieses spannende Thema. Sichern Sie sich hier Ihre Teilnahme. Mit 2.000 Teilnehmern, über 80 Top-Referenten, 100 Vorträgen und Workshops ist der DALK der größte Fachkongress für HR- und Ausbildungsverantwortliche in ganz Deutschland.

Tags: Schlaf und Erholung, Power Napping, Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM