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Aus den Aktivitäten des IFBG

12
Februar 2016

Neuer iga.Report 31 – psychische Belastung gleich Risiko?

Iga.Report 31: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz – nachweisbare und potenzielle Risikofaktoren

Welche psychischen Belastungen stellen ein wissenschaftlich nachweisbares Risiko für individuelle gesundheitliche Beeinträchtigungen dar? Welche weiteren Risikofaktoren könnte es geben? Diese und weitere Fragen beantwortet der kürzlich erschienene iga.Report 31. Durch moderne Technologisierung haben Arbeitsbelastungen in den letzten Jahren zugenommen und spielen gesellschaftlich eine zunehmend bedeutende Rolle. So reagierte der Gesetzgeber unter anderem mit einer Ergänzung des §5 ArbSchG, der eine psychische Gefährdungsbeurteilung der Arbeit zum Schutz der Beschäftigten vorsieht.

Unter psychischer Belastung versteht man im Allgemeinen „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“. Diese können sich sowohl positiv als auch negativ auf den Einzelnen auswirken und sind daher individuell sehr unterschiedlich: Während psychische Belastungen einerseits die Motivation oder den Lerneffekt in der Arbeit erhöhen können, können sie andererseits zu geminderter Konzentrationsfähigkeit, Stress oder Ermüdungserscheinungen führen. Auf lange Sicht besteht so das Risiko für Krankheiten wie Depression oder Bluthochdruck. Negative psychische Belastungen stehen in engem Zusammenhang mit der körperlichen Belastung; eine klare Abgrenzung ist nur schwer möglich.

Zahlreiche gesundheitsgefährdende Faktoren im Arbeitsumfeld

Im iga.Report 31 werden verschiedene Übersichtsarbeiten und Primärstudien zu verschiedenen Modellen vorgestellt und Gefährdungsfelder identifiziert. Diese untersuchen verschiedene Kombinationen an Arbeitsbelastungen, die einen Effekt auf das Erkrankungsrisiko haben. Jedoch gibt es kaum wissenschaftliche Untersuchungen einzelner Arbeitsmerkmale, wodurch die Frage offen bleibt, ob diese als eigenständige Aspekte überhaupt einen Einfluss auf die Gesundheit der einzelnen Beschäftigten haben.

Es ergeben sich anhand der vorliegenden Daten dennoch gesundheitsgefährdende Faktoren im Arbeitsumfeld, die kombinatorisch als riskant einzustufen sind und im Einzelnen zumindest ein Gefährdungspotenzial beinhalten: (1) hoher Job Strain (geringer Handlungsspielraum bei hoher Arbeitsintensität), (2) Iso-Strain (geringer Handlungsspielraum bei hoher Arbeitsintensität und geringer sozialer Unterstützung), (3) Effort-Reward-Imbalance (Unverhältnismäßigkeit zwischen Arbeitseinsatz und Belohnung) sowie die Einzelkomponenten (4) hohe Arbeitsintensität, (5) geringer Handlungsspielraum, (6) Überstunden, (7) geringe soziale Unterstützung, (8) Bullying (Mobbing und aggressives Verhalten am Arbeitsplatz), (9) Arbeitsplatzunsicherheit und (10) Schichtarbeit. Diese Ausprägungen von Beanspruchung sind oftmals signifikant mit dem Risiko psychischer, somatischer oder kardiovaskulärer Erkrankungen assoziiert und erhöhen die Arbeitsunfähigkeitstage.

Forschungsbedarf bei modernen und bekannten Aspekten

Durch Fehlen empirischer Arbeiten ergibt sich ein Forschungsbedarf bei Aspekten der modernen Arbeitswelt, die aktuell nur mit der subjektiven Annahme von Beanspruchungen verbunden sind: Hat die ständige Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit Auswirkungen auf den Einzelnen? Wie wird mit Arbeitsanforderungen umgegangen, die der persönlichen Moral widersprechen? Wirken sich Pendeln und Zeitarbeit negativ auf die Gesundheit aus und erhöhen befristete Arbeitsverhältnisse, die längerfristige Zukunftsplanungen nicht möglich machen, den Stressfaktor?

Doch auch bei scheinbar bekannten Kriterien ergeben sich weitere Fragen, die es zu beantworten gilt: Welche potenziellen Auslöser gibt es für eine erhöhte Arbeitsintensität? Wie ist das Verhältnis von Arbeitszeit zu Ruhezeit? Beeinflussen Schichttyp, Job-Rotation und Schichtdauer im Schichtdienst als einzelne Faktoren die psychische Gesundheit?

Insbesondere durch die gesetzliche Formulierung der Gefährdungsbeurteilungen wächst der Fokus auf die Betriebliche Gesundheitsförderung und damit verbundene Veränderungsmaßnahmen. In wissenschaftlichen und empirischen Arbeiten liegen jedoch Daten zur tatsächlichen Wirkung von diesen Veränderungsmaßnahmen durch Arbeitsumgestaltung noch nicht vor. Die Unterstützung und Förderung von empirischen Erkenntnissen in der Zukunft ist daher zwingend erforderlich.

Hier finden Sie den iga.Report 31 als PDF-Download.

Hier geht es zur Startseite der Initiative Gesundheits und Arbeit (iga).

Tags: iga.Report, Psychische Belastung