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Aus den Aktivitäten des IFBG

06
Oktober 2016

Stresskiller Achtsamkeit? Forscher der HU Berlin erbringen Wirkungsnachweis

Eng getaktete Arbeitsabläufe, zeitgleich zu koordinierende Aufgaben, häufige Überstunden und fortwährende Erreichbarkeit auch nach Feierabend sind nur wenige Beispiele dafür, wie aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen den beruflichen und privaten Alltag vieler Beschäftigter prägen. Möchte man dieser vielfältigen Belastungen Herr werden, so scheint die Lösung – zumindest auf den ersten Blick – darin zu liegen, seine Multitasking-Fähigkeiten zu optimieren.

Dass aber eher das Gegenteil Abhilfe gegen die unterschiedlichen Belastungen verspricht, erscheint geradezu paradox. Doch genau das hat Prof. Dr. Darko Jekauc, Kooperationspartner des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), mit einem Team von Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin herausgefunden. Die vielversprechenden Forschungsergebnisse haben eine hohe Relevanz für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM).

Achtsamkeit – das Gegenteil von Multitasking

Unter dem Begriff der Achtsamkeit (englisch: mindfulness) versteht man die bewusste Fokussierung auf das Hier und Jetzt, gepaart mit einer wertungsfreien Wahrnehmung der aktuellen Situation. Sie lässt sich mit innovativen Verfahren trainieren. Diese haben bereits Einzug in die Praxis der Psychologie gefunden und werden dort erfolgreich zur Emotionsregulation und zur Behandlung von affektiven Störungen eingesetzt. Und auch die ersten Großunternehmen wie BASF, SAP oder GOOGLE nutzen inzwischen die positiven Effekte dieses Trainings im Kontext der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF).

Im Rahmen des achtsamkeitsbasierten Ansatzes wurden von den Forschern um Prof. Dr. Jekauc mehrere Programme zum Umgang mit Stress und negativen Emotionen entwickelt. Die Ergebnisse der Evaluationsstudien zeigen, dass das achtsamkeitsbasierte Training sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Stichproben zur Reduzierung der Symptome von Stress, Angst sowie Depression führt und einen effektiven Umgang mit Emotionen schult.

Darüber hinaus lieferten bereits einige Studien anderer Forschergruppen erste Hinweise darauf, dass durch ein achtsamkeitsbasiertes Training auch die Konzentrationsfähigkeit, die Fähigkeit zur Regulation der Emotionen sowie der so genannte Flow-Zustand positiv beeinflusst werden kann. Unter dem letztgenanntem Begriff Flow, der sich im weitesten Sinne mit Schaffens- oder Tätigkeitsrausch übersetzen lässt, versteht man das überaus positive Gefühl der völligen Vertiefung und des restlosen Aufgehens in einer bestimmten Aufgabe.

Training zur Achtsamkeit als Maßnahme der BGF

Vor dem Hintergrund der vielversprechenden Untersuchungsbefunde, insbesondere im Hinblick auf die Minderung psychischer Belastungen und Gefährdungen, stellt sich die Frage, wie sich die Schulung der Achtsamkeit praktikabel in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Hierfür entwickelt das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Kooperation mit Prof. Dr. Darko Jekauc passgenaue Konzepte. Diese umfassen – je nach Bedarf des Unternehmens – verschiedene Lösungen, die sich von aufsuchenden Maßnahmen durch geschulte Trainer in direkter Arbeitsplatznähe über Workshops bis hin zu digitalen Helfern in Form von Apps oder Online-Plattformen erstrecken können.

Mehr zum Thema Achtsamkeit erfahren Sie auch in diesem Kurzfilm bei Youtube.

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Anfragen zu Achtsamkeitstrainings im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements richten Sie bitte an Dr. Fabian Krapf vom IFBG (E-Mail: fabian.krapf@uni-konstanz.de, Tel: 0160 725 725 2).

Tags: Achtsamkeit, Betriebliche Gesundheitsförderung, Psychische Gefährdungsbeurteilung