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03
Februar 2021

Unter die Lupe genommen: Der Begriff „Home-Office“

Begriffsklärung Home-Office

Die Inhalte dieses Beitrags stammen aus einem Literatur-Review des IFBG, welches im aktuellen „Corona-Dossier“ in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse veröffentlicht worden ist. Hier können Sie das gesamte Dossier herunterladen.

Die Verwendung des Anglizismus „Homeoffice“ als Bezeichnung für das Arbeiten von zu Hause ist streng genommen nicht korrekt, da „Home Office“ in der englischen Sprache das britische Innenministerium betitelt. Formulierungen wie „working from home“ oder „office at home“ wären zutreffender, allerdings hat sich der Begriff „Homeoffice“ im deutschen Sprachraum bereits etabliert (Aumann, 2019). Ein allgemeiner Konsens hinsichtlich der Definition von „Homeoffice“ existiert bislang nicht, stattdessen wird der Begriff häufig mit den Begrifflichkeiten „Telearbeit“ und „mobiles Arbeiten“ gleichgesetzt. Genauer betrachtet, kann Homeoffice beides sein und sowohl als eine Form der Telearbeit als auch eine Form des mobilen Arbeitens auftreten und verstanden werden. Welche Unterscheidungen dabei berücksichtigt werden sollten, wird nachstehend erläutert.

Homeoffice als eine Form der Telearbeit

Das Präfix „Tele“ beschreibt die Verwendung von Informations- und Kommunikationsmitteln zur Erledigung von Arbeitsaufgaben (Brandes, 1999). Wird Homeoffice als eine Form der Telearbeit verstanden, so wird häufig auch von „Teleheimarbeit“ oder alternierender „Telearbeit“ gesprochen. Während bei der Teleheimarbeit die Arbeit ausschließlich von zu Hause aus verrichtet wird, erfolgt bei der alternierenden Telearbeit die Arbeitsleistung wechselweise am Telearbeitsplatz zu Hause und am Arbeitsplatz im Unternehmen (Deutscher Bundestag, 2017).

Homeoffice als eine Form der Telearbeit wird seit der Novellierung der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) folgendermaßen gesetzlich definiert: „Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat. Ein Telearbeitsplatz ist vom Arbeitgeber erst dann eingerichtet, wenn Arbeitgeber und Beschäftigte die Bedingungen der Telearbeit arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung festgelegt haben und die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln einschließlich der Kommunikationseinrichtungen durch den Arbeitgeber oder eine von ihm beauftragte Person im Privatbereich des Beschäftigten bereitgestellt und installiert ist“ (§ 2 Abs. 7ArbStättV, BMJV, 2016). Dabei trägt der Arbeitgeber Sorge dafür, dass der Arbeitsbereich professionell und ergonomisch ausgestattet ist. Zudem führt er nach § 3 Abs. 1 S. 4 ArbStättV eine einmalige Gefährdungsbeurteilung am Telearbeitsplatz durch.

Des Weiteren ist nach § 6 ArbStättV eine Unterweisung durch den Arbeitgeber erforderlich, in deren Rahmen Informationen über das bestimmungsgemäße Betreiben der häuslichen Arbeitsstätte mitgeteilt sowie alle gesundheits- und sicherheitsrelevanten Fragen im Zusammenhang mit der Tätigkeit geklärt werden (Aumann, 2019; DGUV, 2019). Neben dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) gilt für Telearbeitende genauso wie Beschäftigte an Büroarbeitsplätzen gleichermaßen das Arbeitszeitgesetz (ArbZG), das beispielsweise nach § 4 ArbZG feststehende Ruhepausen (Unterbrechungen der werktäglichen Arbeitszeit) fordert (Nitsche, 2017). Telearbeitende genießen zudem laut § 2 Abs. SGB VII den vollen Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Allerdings beschränkt sich der Schutz auf das Arbeitszimmer beziehungsweise auf im Zusammenhang mit der Arbeit stehende Handlungen (BGHW, 2020; VBG, 2018).

Die Begriffe „Teleheimarbeit“ oder „Homeoffice“ werden häufig fälschlicherweise mit dem Begriff „Heimarbeit“ gleichgesetzt. Bei Heimarbeit handelt es sich um eine meist gewerbliche Arbeit, die im Heimarbeitsgesetz (HAG) definiert ist. Demzufolge sind Heimarbeiter „Personen, die in der Regel allein oder mit ihren Familienangehörigen in eigener Wohnung oder selbstgewählter Betriebsstätte eine sich in regelmäßigen Arbeitsvorgängen wiederholende Arbeit im Auftrag eines anderen gegen Entgelt ausüben […]“ (BMJV, 2020). Heimarbeitende (zum Beispiel Produkttester) unterliegen zudem keinem Direktionsrecht beziehungsweise sind keinen Weisungen unterworfen und dementsprechend nicht abhängig beschäftigt (Aumann, 2019).

Homeoffice als eine Form mobiler Arbeit

Bedeutet Teleheimarbeit beziehungsweise alternierende Telearbeit im Besonderen eine örtliche Flexibilisierung der Arbeitsinhalte, steht beim mobilen Arbeiten (im englischen Sprachgebrauch auch „Remote Work“ oder „Mobile Office“ genannt) die berufsbedingte Mobilität des Beschäftigten selbst im Vordergrund. Dabei kann die Mobilität an sich die zentrale Aufgabe darstellen (zum Beispiel Transport- oder Beför-derungsaufgaben). Alternativ kann die Aufgabenerledigung an wiederkehrenden oder wechselnden Orten die Mobilität verursachen, zum Beispiel in Form von Dienstreisen, Entsendungen oder Serviceleistungen vor Ort (Ducki & Nguyen, 2016). Darüber hinaus wird in der Literatur häufig dann von „mobilem Arbeiten“ gesprochen, wenn die ECaTT-Norm (Electronic Commerce and Telework Trends) erfüllt ist, also die Beschäftigten mindestens zehn Stunden pro Woche an einem anderen Ort als der Betriebsstätte oder der Wohnung arbeiten (Maschke, 2015; Paridon, 2012; Vogl & Nies, 2013). Beschäftigte sind demnach weder an das Büro noch an die eigene Wohnung gebunden, weshalb mobiles Arbeiten besonders durch eine räumliche Entgrenzung und hohe Ortsflexibilität gekennzeichnet ist (zum Beispiel Arbeiten im Zug, am Flughafen oder im Hotelzimmer).

Sind nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Arbeitsinhalte mobil, so wird auch von mobiler Telearbeit gesprochen (Vogl & Nies, 2013). Damit ist gemeint, dass Beschäftigte für ihre Arbeit mobile Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen, sich dabei aber an unterschiedlichen Orten aufhalten können – in allen Fällen außerhalb des zentralen Unternehmensgebäudes (Tendyck & Mess, 2018). So kann die Arbeit an jedem beliebigen Ort (zum Beispiel zu Hause oder unterwegs), auch unabhängig von festen Arbeitszeiten, mithilfe eines Laptops undSmartphones sowie mobilem Netz, verrichtet werden (Deutscher Bundestag, 2017).

Mobiles (Tele-)Arbeiten unterscheidet sich jedoch gegenüber der Teleheimarbeit beziehungsweise der alternierenden Telearbeit nicht nur hinsichtlich einer verstärkten Arbeitsortflexibilität, sondern es sind auch gesetzliche Grundlagen, die mobiles Arbeiten von Telearbeit abgrenzen. So unterliegt im Gegensatz zur Telearbeit mobiles Arbeiten nicht der Arbeitsstättenverordnung und ist bisher nicht gesetzlich definiert beziehungsweise geregelt (Deutscher Bundestag, 2017). Andere arbeitsschutzrechtliche Pflichten des Arbeitgebers wie zum Beispiel die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Abs. 1 ArbSchG oder die Unterweisung des Arbeitnehmers nach § 12 Abs. 1 ArbSchG gelten (teilweise eingeschränkt) bei mobiler Arbeit jedoch ebenfalls. Analog zur Telearbeit ist auch bei mobiler Arbeit das Arbeitszeitgesetz zu beachten. Aufgrund der entgrenzten Arbeitszeit ist dieses aber häufig schwieriger einzuhalten und ein Verstoß insgesamt wahrscheinlicher (Knuth, 2019). Im Hinblick auf die gesetzliche Unfallversicherung gelten bei mobiler Arbeit dieselben Annahmen und Voraussetzungen wie bei Telearbeitenden (BGHW, 2020).

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass „Homeoffice“ dann als eine Form von Telearbeit verstanden beziehungsweise als Synonym für „Teleheimarbeit“ oder „alternierende Telearbeit“ verwendet werden kann, wenn der Arbeitsplatz zu Hause durch den Arbeitgeber im Sinne der Arbeitsstättenverordnung eingerichtet wurde und zwischen dem Arbeitgeber und den Beschäftigten eine Vereinbarung zu den Bedingungen der Telearbeit (zum Beispiel wöchentliche Arbeitszeit) vorliegt. Ist dies nicht der Fall, so ist davon auszugehen, dass die Tätigkeit im Homeoffice im Kontext mobilen Arbeitens stattfindet (siehe Abbildung 21). Insgesamt gelten bei beiden Arbeitsformen des Homeoffice, wie auch für Beschäftigte an Büroarbeitsplätzen, die allgemeinen Vorgaben des Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetzes ebenso wie der gesetzlichen Unfallversicherung. In Bezug auf die Corona-Pandemie, in der viele Beschäftigte für einen beschränkten Zeitraum und kurzfristig im Homeoffice arbeiten, tritt Homeoffice besonders als Form des mobilen Arbeitens in Erscheinung, da in den wenigsten Fällen arbeitsvertraglich geregelte Absprachen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorliegen (VBG, 2020a; DGUV, 2020).

Tags: Alltag, Arbeitsplatz, Home-Office, Personal