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30
Januar 2019

Volkskrankheit digitaler Stress?

Vor einigen Jahren noch überwog die Begeisterung über die Möglichkeiten, die die Nutzung von Smartphone, PC und Co. im beruflichen und privaten Kontext mit sich bringt. Heute – 16 Jahre nach Erscheinen des ersten Smartphones – herrscht immer mehr Ernüchterung. In Zeiten von Push-Nachrichten, Informations-Flut und ruhelosen WhatsApp-Gruppen fühlen sich viele durch das pausenlose Online-Sein gestresst und fremdgesteuert. Besonders fatal daran: Viele Menschen sind sich des Ausmaßes und der negativen Folgen ihres exzessiven Medienkonsums gar nicht bewusst.

Da ist das Checken von Mails oder der mal eben noch getätigte Amazon-Einkauf am Abend wichtiger als das pünktliche Zubettgehen. Das Antworten auf die WhatsApp-Nachricht der Freundin scheint dringender zu sein, als auf den Partner oder die Kinder im wirklichen Leben zu reagieren. Und das Stöbern in sozialen Netzwerken verhindert zwar die Langeweile beim Mittagessen. Aber eben auch das bewusste Essen, das soziale Miteinander im Real-Life, ausreichend Schlaf und Regeneration1). Medienkonsum beeinträchtigt somit auch unser höchstes Gut – unsere Gesundheit.

Apple und Co. reagieren auf den Trend

Vermutlich führt Apple auch deswegen seit dem letzten Software-Update jedem Nutzer mit der wöchentlichen „Bildschirmzeit“-Nachricht die Nutzungsdauer bewusst vor Augen. Inzwischen gibt es sogar Apps, mithilfe derer wir unser Nutzungsverhalten beeinflussen können, in dem wir einzelne Apps für eine gewisse Zeit sperren können (z. B. Freedom oder Forest). Klar ist: Der digitalen Sogwirkung entkommen wir nur mit Selbstdisziplin. Diese ist der Schlüssel zu einem gesundheitlich unbedenklichen Konsumverhalten. Oder anders gesagt: einer dauerhaften digitalen Balance.

Glücklich ist dabei, wer das Gefühl hat, sein Nutzungsverhalten ganz unabhängig bestimmen zu können. Aber was ist mit den vielen Menschen, die nach Feierabend noch ihre beruflichen Mails checken – aus Verantwortungsgefühl oder weil der Kollege in den USA noch schnell eine Antwort benötigt? Oder weil der Job es einfach erfordert, noch spät abends erreichbar zu sein, da sonst der sich tagsüber anhäufende Berg an Mails nicht anders zu bewältigen ist.

Gesundheitliche Folgen durch „Grenzenlosigkeit“ 

Dass dieser digitale Stress auf Dauer unzufrieden macht2), ist wenig überraschend. Inzwischen ist jedoch auch klar, dass das auf Dauer sogar die Gesundheit beeinträchtigt. So hat eine Forschergruppe der Universität Augsburg zeigen können, dass digitaler Stress von Arbeitnehmern mit einer deutlichen Zunahme ihrer gesundheitlichen Beschwerden einhergeht (z. B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und allgemeine Müdigkeit)3). Die Umstände, unter denen das nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand besonders wahrscheinlich ist, sind in einem Dossier zur Mobilität in der Arbeitswelt zusammengefasst, das das IFBG in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse jüngst veröffentlicht hat4)

Was Arbeitgeber tun können? Für „bitBalance“ sorgen!

Was können Arbeitgeber nun tun, damit ihre Mitarbeiter dem digitalen Stress bestmöglich entgehen? Durch klare und transparente Absprachen und das Schaffen eines gemeinsamen Bewusstseins unter Kollegen kann das gelingen. Ein Ansatz ist auch die Etablierung einer Wohlfühlstunde, in der teamintern über die Erreichbarkeit, die präferierten Kommunikationswege sowie die eigenen Grenzen gesprochen wird. In diesem Zusammenhang hat das IFBG selbst positive Erfahrungen gesammelt. Im Rahmen solcher Wohlfühlstunden sind auch so genannte Wohlfühlcards entstanden, in denen jeder im Team genau definiert, wie er arbeiten und digital erreichbar sein möchte. Diese hängen dann in jedem Büro der einzelnen Teammitglieder aus (bewusst in Printform). Zudem wird festgelegt, wie man teamintern mit dem Überschreiten von Wohlfühlgrenzen umgehen möchte.

Sie möchten mehr zu den Themen digitaler Stress oder den Lösungsansätzen Wohlfühlstunde/Wohlfühlcards erfahren? Unter dem Namen „bitBalance“ entwickelt das IFBG derzeit ein Konzept, das Organisationen, Führungskräfte und Beschäftigte dabei unterstützt, digitale Balance aktiv zu leben. Sie sind neugierig geworden? Dann dürfen Sie uns gerne eine Mail schreiben – eine Postkarte ist in diesem Fall nicht notwendig.

1) vgl. iga-Report 23 (2016). Auswirkungen ständiger Erreichbarkeit.

2) vgl. Lott, Y. (2018). Intra-Individual and Crossover Effects of Work Contact in Leisure Time on Satisfaction with Work-Life Balance, WSI Working Paper, 210.

3) vgl. Gimpel et al. (2018). Digitaler Stress in Deutschland. Eine Befragung von Erwerbstätigen zu Belastung und Beanspruchung durch Arbeit mit digitalen Technologien.

4) Literatur-Review Mobilität in der Arbeitswelt (IFBG & TK, 2018).

 

Tags: Achtsamkeit, Dienst-Smartphone, ständige Erreichbarkeit, Stressmanagement, bitBalance, Wohlfühlcard, Wohlfühlstunde