Aktuelles

Unsere Aktivitäten

08
Oktober 2020

#whatsnext2020-Ergebnisse VI: Flexible Arbeitszeiten als Maßnahme zur Vermeidung von Work-Privacy-Konflikten

Work-Privacy-Conflict

69.5 % der Organisationen bieten bereits Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben an. Unter anderem dieses Ergebnis haben wir im Rahmen der Studie #whatsnext2020 mit 1.192 teilnehmenden Organisationen gewonnen. Ausgangsfrage war, welche Herausforderungen die digitale Arbeitswelt für die Gesundheit von Unternehmen und Beschäftigten mit sich bringt. Öffentliche Einrichtungen und größere Organisationen sind hier besonders aktiv. Flexible Arbeitszeiten sind die häufigste Maßnahme, wohingegen bei der Vertrauensarbeitszeit noch Luft nach oben ist.

Bedeutung von Vereinbarkeit und Beruf ist Organisationen bewusst

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben hat für 76.1 % der Organisationen eine eher große oder große Bedeutung. Das ist ein beachtlicher Wert. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass es zu diesem Thema auch tatsächlich Angebote in den Organisationen gibt. Ob und welche Maßnahmen die Organisationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben konkret durchführen bzw. planen oder was sie benötigen, um Maßnahmen zu diesem Themenkomplex anzubieten, wird in Kapitel sechs des #whatnext2020-Studienbandes beschrieben.

Das Handlungsfeld scheint also nicht nur wichtig, sondern auch bereits in vielen Organisationen angegangen worden zu sein. Weitere 3.2 % der Organisationen planen, Maßnahmen in der Zukunft anzubieten.

Angebote variieren stark

So wurde gefragt: Werden bzw. wurden Angebote oder Maßnahmen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Ihrem Unternehmen ein- bzw. durchgeführt?

Demgegenüber gibt fast jede vierte Organisation an, dass es noch keine Angebote oder Maßnahmen in diesem Bereich gibt. Ein geringer Anteil von 4.1 % hat dazu keine Informationen. Besondere Auffälligkeiten: Zwischen Wirtschaftsunternehmen (67.3 %) und Öffentlichen Einrichtungen (76.4 %) besteht ein signifikanter Unterschied (Χ²(1)=4.99, p<.05), was die Umsetzung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben angeht. Die Öffentlichen Einrichtungen sind hier also einen Schritt weiter. Zudem sind Unterschiede hinsichtlich der Organisationsgröße zu erkennen (Χ²(12)=29.43, p<.01). Großorganisationen geben signifikant häufiger an (79.9 %), entsprechende Maßnahmen umzusetzen, als kleine Organisationen (62.1 %), mittlere Organisationen (64.5 %) und größere Organisationen (68.8 %).

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wird vor allem über Angebote der flexiblen Arbeitszeiten (93.8 %) sowie Teilzeit (90.6 %) adressiert. Auf dem dritten Rang folgt die Mobile Arbeit/Telearbeit (68.3 %). Die Vertrauensarbeitszeit ist in knapp jeder zweiten Organisation, die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben umsetzt, etabliert. Angebote wie Eltern-Kind-Büro (19.0 %), Regeln zur (Nicht)erreichbarkeit (14.0 %) oder Job-Sharing-Modelle (13.7 %) sind in den Organisationen indes noch nicht so häufig vorzufinden.

Außderm wurde gefragt: Welche der folgenden Angebote bzw. Maßnahmen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben planen Sie in Ihrem Unternehmen umzusetzen?

Organisationen, die Angebote zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben planen, möchten sich dabei vor allem auf flexible Arbeitszeiten (71.0 %), Teilzeitangebote (58.1 %) und Angebote im BereichMobile Arbeit/Telearbeit (54.8 %) konzentrieren. Maßnahmen wie Eltern-Kind-Büro (9.7 %), Job-Sharing-Modell (6.5 %) und Sonderurlaub (6.5 %) haben die wenigsten Organisationen in Planung.

---

„Öffentliche Einrichtungen bieten häufiger Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben an als Wirtschaftsunternehmen. Die Vertrauensarbeitszeit ist jedoch eher in Wirtschaftsunternehmen verankert.“
Dr. Mark Hübers (IFBG)

---

Besondere Auffälligkeiten: Wirtschaftsunternehmen geben häufiger an (55.5 %), Vertrauensarbeitszeit anzubieten, als Einrichtungen des Öffentlichen Dienstes (27.6 %) (Χ²(2)=44.31, p<.001). Zudem wird dieses Angebot von Wissenschaftseinrichtungen (Universitäten, Fachhochschulen etc.) häufiger umgesetzt als von Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung (10.2 %) (Χ²(10)=21.58, p<.05).

Kleine Unternehmen bieten klarere Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben

Weitere signifikante Unterschiede sind hinsichtlich der Regeln zur (Nicht)erreichbarkeit in Bezug auf die Organisationsgröße (Χ²(4)=37.95, p<.001) und Funktion der Verantwortlichen (Χ²(3)=36.78,p<.001) ersichtlich. Verantwortliche aus Kleinstorganisationen geben signifikant häufiger an (44.8 %), solche Regeln umzusetzen, als mittlere (14.2 %), größere (14.5 %) und Großorganisationen (7.9 %). Ferner geben Geschäftsführende (44.0 %) signifikant häufiger an, Regeln zur (Nicht)erreichbarkeit in der Organisation umzusetzen, als Personalverantwortliche (13.9 %) und Gesundheitsverantwortliche (11.0 %). Hier scheint eine unterschiedliche Wahrnehmung vorzuliegen.

Regeln zur (Nicht)erreichbarkeit existieren bislang vor allem in Kleinstorganisationen mit bis zu 9 Beschäftigten (44.8 %). In Organisationen mit mehr als 50 Beschäftigten sind diese bislang kaum vorhanden. Es bieten sich also einige Chancen zur Veränderung.

---

„Flexible Arbeitszeitmodelle, aber auch Angebote zur Teilzeit und zur Mobilen Arbeit sind wichtige Grundlagen, um den Beruf und das Privatleben in Einklang zu bringen. Hier gibt es bei einigen Organisationen noch Handlungsbedarf.“
Wiebke Arps (TK)

---

Personelle Ressourcen haben geringsten Einfluss auf Maßnahmen-Umsetzung

So wurde gefragt: Was braucht es, damit Sie Angebote bzw. Maßnahmen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Ihrem Unternehmen umsetzen?

23.2 % der Organisationen geben an, dass sie noch keine Maßnahmen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eingeführt haben. Die Hälfte dieser Personen gibt an, dass ein höherer Bedarf bzw. eine höhere Bedeutung dieses Themas notwendig wäre (49.6 %). Als zweitwichtigster Grund wird ein höheres Engagement der Führungskräfte (44.2 %) genannt. Rund jede dritte Person benötigt mehr Informationen über den Nutzen (35.4 %) des Themas. Die finanziellen (30.5 %) oder personellen Ressourcen (27.9 %) werden hingegen nicht als zentrales Hindernis angesehen.

Besondere Auffälligkeiten: Interessant ist, dass der Bedarf nach mehr finanziellen Ressourcen von der Organisationsgröße (Χ²(4)=9.44,p<.05) abhängig ist. So geben Großorganisationen (44.8 %) signifikant häufiger als mittlere Organisationen (22.3 %) an, dass sie mehr finanzielle Ressourcen benötigen, um Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu realisieren. Einen ähnlichen Unterschied gibt es auch in Bezug auf den Sektor. Öffentliche Einrichtungen (44.4 %) geben signifikant häufiger als Wirtschaftsunternehmen (26.1 %) an, dass sie mehr finanzielle Ressourcen benötigen (Χ²(2)=7.64, p<.05).

Ein höheres Engagement der Führungskräfte spielt auch eine wichtige Rolle. Großorganisationen mit mehr als 1000 Beschäftigten nennen diesen Grund deutlich häufiger (60.5 %) als bspw. Kleinstorganisationen (13.3 %). Dieser signifikante Unterschied (Χ²(4)=10.93, p<.05) überrascht jedoch nicht wirklich, da die Führungsstrukturen in Großorganisationen natürlich deutlich komplexer sind.

Spannende Erkenntnis aus dem BGM Beschäftigtenbarometer (N=3475): Nahezu jeder zweite Beschäftigte gibt an (44.5 %), dass die Arbeit zumindest teilweise das Privat- und Familienleben stört.

Hier können Sie sich das ganze Kapitel zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“ inklusive aller Grafiken des Studienbandes #whatsnext2020 herunterladen.

Sie hätten gerne noch weiterführende Informationen zu unserer Studie #whatsnext2020 in Kooperation mit Haufe und der Techniker Krankenkasse? Mehr erfahren Sie in unserem Newsletter.

Tags: #whatsnext2020, Alltag, Studien