Home-Office in Deutschland und Europa

Dr. Sai-Lila Rees

Expert
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Das Home-Office hat – durch die Entwicklung der Pandemie – als Arbeitsform in Deutschland Fahrt aufgenommen. Das IFBG möchte einen Überblick über die Entwicklung der Prävalenz von Homeoffice sowohl in Deutschland als auch in Europa geben. Diese Informationen sind aus einer Literatur-Review entnommen, die das IFBG zum Corona-Dossier, das in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse entstanden ist, beigetragen hat.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Verbreitung des Homeoffice in Deutschland einen unvorhergesehenen deutlichen Zuwachs erfahren (Alipour, Falck, & Schüller, 2020; Bitkom, 2020a, b; Bruch & Meifert, 2020; Hofmann, Piele, & Piele, 2020; Möhring et al., 2020a). Über das letzte Jahrzehnt hinweg stagnierte der Anteil der deutschen Arbeitnehmer, die gewöhnlich oder manchmal von zu Hause arbeiten, lange Zeit bei rund zwölf Prozent und stieg bis zum Ausbruch der Pandemie nur geringfügig an (Bitkom, 2019; Brenke, 2016; Frodermann et al., 2020; Grunau et al., 2019; Möhring et al., 2020a). So waren es im Dezember 2019 beziehungsweise Januar 2020 knapp 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die häufig oder gelegentlich ihrer Arbeit im Homeoffice nachgingen (DAK, 2020; Möhring et al., 2020b). In den Jahren vor der Corona-Pandemie zeichnete sich bereits ein langsamer Trend von stunden- zu tageweisem Homeoffice ab (Bitkom, 2019; Grunau et al., 2019).

Home-Office-Trend stieg stark und sank dann leicht

Mit Beginn des Lockdowns aufgrund des Corona-Virus hat sich dieser Trend nun verschärft, sodass nicht mehr nur noch manchmal oder gelegentlich tageweise im Homeoffice gearbeitet wird, sondern nun vielmehr an mehreren Tagen pro Woche oder sogar gänzlich die Erwerbstätigkeit von zu Hause ausgeübt wird (Bruch, Block, & Färber, 2016; Bruch & Meifert, 2020; DAK, 2020; Frodermann et al., 2020;Hofmann et al., 2020; Stürz et al., 2020). Die Statistiken aktueller Studien zum Ausmaß und zur Intensität der Nutzung des Homeoffice in Deutschland variieren recht stark in Bezug auf ihre Stichprobe und den Zeitpunkt der Erhebung. Insgesamt zeigt sich in der Datenlage seit Beginn der Corona-Pandemie und in einer Trendanalyse von Möhring et al. (2020b), die sich auf den Zeitraum von Ende März bis Anfang Juli 2020 bezieht, das Muster eines zunächst sprunghaften Anstiegs in der Prävalenz und einer anschließend starken Verbreitung des Homeoffice unter deutschen Erwerbstätigen.

Eher Weiterentwicklung bei bereits etablierten Homeoffice-Strukturen

Für die darauffolgenden Monate zeigt sich eine leichteprozentuale Abnahme der deutschen Beschäftigten, die ausschließlich im Homeoffice arbeiten, und eine zeitgleiche leichte Zunahme bei denjenigen, die partiell das Homeoffice als ihre Arbeitsstätte nutzen (Möhring et al., 2020b).
Es wird über alle derzeit vorliegenden Studien hinweg deutlich, dass der offensichtliche Zuwachs in der Nutzung des Homeoffice in Deutschland vorrangig auf eine Ausweitung bestehender Homeoffice-Strukturen zurückzuführen ist. So haben vor allem Unternehmen ihr Homeoffice-Angebot erweitert, die der Einführung digitaler Arbeitsmethoden sehr offen gegenüberstehen, und bereits Homeoffice-Regelungen vor der Corona-Pandemie etabliert hatten (Bitkom, 2019, 2020a; DAK, 2020).

Zudem zeigt sich in den Daten, dass es für den Großteil der Beschäftigten, die aktuell im Homeoffice sind, bereits zuvor möglich war, ihrer Erwerbsarbeit im Homeoffice nachzugehen, und sie dies nun tendenziell in größerem Umfang als vorher praktizieren (Bitkom, 2020a; Frodermann et al., 2020; Kunze & Zimmermann, 2020; Möhring et al., 2020b; Stürz et al., 2020). Gemäß einer Analyse von Frodermann et al. (2020) entfielen von den 50,5 Prozent, die im April beziehungsweise Mai 2020 zumindest gelegentlich im Homeoffice für ihren Arbeitgeber arbeiteten, 30,9 Prozent auf jene, die bereits 2019 Homeoffice-Nutzer waren, und nur 19,6 Prozent auf jene ohne Homeoffice-Status im Jahr 2019.

„Ortsunabhängigkeit und die Nutzung mobiler Endgeräten sind kennzeichnende Merkmale der Arbeit eines typisch deutschen Arbeitnehmers im Home-Office.“

Typischer Homeoffice-Nutzer hat hohen Bildungsabschluss

Da für die überwiegende Mehrheit der derzeit im Homeoffice tätigen Arbeitnehmer die Arbeit von zu Hause somit keine Neuheit darstellt, ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Parallelen hinsichtlich charakteristischer Merkmale zwischen Beschäftigten, die bereits vor der Corona-Pandemie zu Hause arbeiteten (vergleiche hierzu auch Tendyck & Mess, 2018), und Beschäftigten, die aktuell von zu Hause aus tätig sind, erkennen lassen. So zeichnet sich der typische Nutzer des Homeoffice nach wie vor durch einen hohen (zumeist akademischen) Bildungsabschluss, ein gutes Haushalts- und Erwerbseinkommen, eine Führungsposition sowie eine Tätigkeit im Dienstleistungssektor oder in der öffentlichen Verwaltung aus (Alipour et al., 2020; Backhaus, Wöhrmann, & Tisch, 2020; Brenke, 2016; Bünning, Hipp, & Munnes, 2020; DAK, 2020; Ernst, 2020; Grunau et al., 2019; Grunau, Steffes, & Wolter, 2020; ifo & Randstad, 2020; Möhring et al., 2020a, b; Rupietta et al., 2016; Schröder et al., 2020; Waltersbacher, Maisuradze, & Schröder, 2019). Im Spezifischen gehen diese ihrer Erwerbstätigkeit meist in einem größeren Unternehmen und entweder in der Informations- und Kommunikationsbranche, im Banken- oder Versicherungswesen oder im Bereich der Forschung und Lehre nach (Brenke, 2016; Bünning et al., 2020; FIT, 2020; Grunau et al., 2019, 2020; ifo & Randstad, 2020; Möhring et al., 2020a; Lott, 2017; Waltersbacher et al., 2019). Grundsätzlich sind auch weiterhin Ortsunabhängigkeit und die Nutzung von mobilen Endgeräten kennzeichnende Merkmale der Arbeit eines typischen deutschen Arbeitnehmers im Homeoffice (Alipour et al., 2020; Backhaus et al., 2020; Grunau et al., 2020: Waltersbacher et al., 2019).

Beschäftigte in systemrelevanten beziehungsweise in für die Grundversorgung notwendigen Berufen, wie im Gesundheits- und Pflegewesen, im Bereich Verkehr und Logistik oder im Baugewerbe, arbeiten dementsprechend zu Zeiten der Corona-Pandemie, wie bereits zuvor, kaum von zu Hause (Bünning et al., 2020; Möhring et al., 2020a). Auffällige Unterschiede in der Homeoffice-Nutzung zwischen Frauen und Männern beziehungsweise Müttern und Vätern oder Eltern und Kinderlosen bestanden laut diverser Studien weder in den letzten Jahren noch bestehen sie heute (Alipour et al., 2020; Brenke, 2016; Bünning et al., 2020; Möhring et al., 2020a).

Prävalenz von Homeoffice im europäischen Vergleich

Mit Blick auf Europa hat Deutschland bei der Realisierung von Homeoffice nicht nur absolut (Alipour et al., 2020b), sondern auch relativ gesehen, Fortschritte gemacht. Hinsichtlich der Verbreitung von Homeoffice in der Europäischen Union (EU) befindet sich Deutschland nun nicht länger unter dem Durchschnitt, sondern eher im europäischen Mittelfeld.

Vor dem Ausbruch von COVID-19 lag Deutschland lange Zeit unter dem Mittelwert der EU, der sich auf 19 Prozent mobile Telearbeitenden belief, wovon 2,8 Prozent regelmäßig und hauptsächlich von zu Hause für ihren Arbeitgeber arbeiteten (Brenke, 2016; Eurofound, 2020a). Gemäß einer EU-weiten Befragung des Eurofound (2020b) von April 2020 wechselten aufgrund der Corona-Pandemie 36,8 Prozent der europäischen Erwerbsbevölkerung ins Homeoffice – in Deutschland waren es 36,9 Prozent. Genau wie oben bereits für die deutschen Arbeitnehmer ausgeführt, befinden sich unter den Beschäftigten, die in der EU ihre Arbeit ins Homeoffice verlagert haben, vorrangig Beschäftigte mit vorheriger Homeoffice-Erfahrung anstatt Homeoffice-Neulinge (Eurofound, 2020b). Zudem zeigt diese europäische Statistik, dass die weitere Verbreitung von Homeoffice vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie vor allem in jenen EU Mitgliedstaaten stattgefunden hat, in denen bereits vor dem Ausbruch von COVID-19 ein höherer Anteil an mobilen Telearbeitenden vorzufinden war (Eurofound, 2020a, b; Von Gaudecker et al., 2020). So beläuft sich der Anteil der Erwerbstätigen, die aufgrund der Corona-Pandemie ins Homeoffice wechselten, auf rund 40 bis 60 Prozent in den meisten nord- und westeuropäischen Ländern (zum Beispiel Niederlande, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Schweden, Finnland und Österreich). In den meisten süd- und osteuropäischen Staaten, in denen Homeoffice vor der Corona-Pandemie nur in sehr geringem Umfang verbreitet war, liegt der Prozentsatz der Wechsler unterhalb des europäischen Durchschnitts (Eurofound, 2020a, b).

Hier erfahren Sie, welche Handlungsempfehlungen wir für das Home-Office ArbeitgebernFührungskräften und Beschäftigte geben.

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