Moderne Chronotypbestimmung: Was Ihre Haare über Ihr Schlafverhalten verraten

Dr. Utz Niklas Walter, Geschäftsführung

Dr. Utz Niklas Walter

Managing Partner
Zum Profil

Menschen, die häufig schlecht oder zu wenig schlafen, sind anfälliger für Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder psychische Erkrankungen. Menschen, die in Schichtsystemen arbeiten, sind dabei nachweislich besonders gesundheitsgefährdet. Wieso Haare einen entscheidenden Hinweis auf das Schlafverhalten geben können und wieso dieses Wissen für Führungskräfte in Zukunft von Bedeutung sein könnte, erfahren Sie in diesem Artikel.

Guter Schlaf beeinflusst unsere Leistungsfähigkeit, unsere Konzentration und beugt Krankheiten vor. Laut der Schlafstudie der Techniker Krankenkasse bewerten 41 % der befragten Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten ihre Schlafqualität mittelmäßig bis sehr schlecht. Grund dafür sind unter anderem die mangelnde Integration des eigenen Chronotypen in den Arbeitsalltag, aber auch Gedanken und Sorgen, die durch den Beruf herbeigeführt werden und somit bei 39 % der Befragten den Schlaf stören (TK, 2017).            

Dabei kann der Schlaf verbessert werden, indem Menschen ihren individuellen Chronotypen beachten und diesen nutzen, um ihre Tages- und Wachzeiten danach auszurichten.

Was ist ein Chronotyp?

Das Wort chrónos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Zeit“. Das Wort „typus“ stammt ebenfalls aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Bild, Figur“. Als Chronotypen werden in der Chronobiologie daher Kategorien von Menschen bezeichnet, die aufgrund ihres Tages- und Wachrhythmus bestimmte physische Merkmale aufweisen. Diese Merkmale lassen sich anhand der Körpertemperatur, des Melatoninspiegels und anhand der unterschiedlichen Schlaf- und Wachphasen sowie des unterschiedlichen Leistungsvermögens zu anderen Tageszeiten feststellen.

Die drei Arten des Chronotypen

Forscher fanden heraus, dass der zirkadiane Rhythmus genetisch festgelegt ist und ebenfalls in mehrere Arten unterschieden werden kann. Häufig verbreitet ist die Unterscheidung folgender drei Chronotypen:

Der Morgentyp – die Lerche

Die sogenannten „Lerchen“ zeichnen sich durch ihre frühe Vitalität aus. Sie sind meist früh morgens bereits hellwach und kurz nach dem Aufstehen in Hochform. Die meisten von ihnen sind gegen 21 und 22 Uhr „bettschwer“. Personen, die konsequent nach dieser zirkadianen Rhythmik leben, wählen eher einen Beruf als Lehrer oder Bäcker oder entscheiden sich für das Arbeiten in einer Frühschicht. Eher ungünstig wären Tätigkeiten, die überwiegend nachts getätigt werden müssten, wie z. B. als Nachtportier oder als Nachtschichtarbeiter.

Der Abendtyp – die Eule

Die sogenannten „Eulen“ erreichen hingegen erst am frühen Nachmittag ihr Leistungshoch und können auch bis spät in die Nacht ohne Probleme wachbleiben. Für sie ist es besonders schwer, morgens aus dem Bett zu kommen. Ihre sportlichen Bestleistungen erbringen „Eulen“ eher am späten Abend. Daher sind Menschen mit dieser zirkadianen Rhythmik ideal für Berufe in der Spätschicht geeignet.

Der Normaltyp – die Taube

Diese sogenannten „Tauben“ werden meist zwischen halb sieben und acht Uhr wach und befinden sich damit zeitlich zwischen den „Eulen“ und den „Lerchen“. Das geistige und körperliche Leistungshoch erlebt dieser Chronotyp meist am späten Vormittag. Körperliche Höchstleistungen sind für Menschen mit dieser zirkadianen Rhythmik aber auch am frühen Abend möglich.

Höhere Leistungsfähigkeit und Arbeitssicherheit durch die Berücksichtigung der zirkadianen Rhythmik

Bei einer Querschnittsstudie von Bochmann et al. (2020) wurden 374 Beschäftigte mit meldepflichtigem Arbeitsunfall zu ihrem Chronotypen und ihren üblichen Schlafenszeiten befragt. Ebenfalls wurden Effekte von Schichtarbeit, Chronotypen und Alter auf die Schlafdauer untersucht. Dabei zeigten die Ergebnisse, dass ein späterer Arbeitsbeginn unter Einbeziehung des Chronotypen sowie Maßnahmen für gesundheitsförderlichen Schlaf dazu beitragen können, Arbeitsunfälle zu vermeiden (Bochmann et al.,2020).

Unabhängig von Geschlecht und Alter unterliegt jeder Mensch seinem individuell genetisch bestimmten Chronotypen. Um die Schlafqualität und die somit einhergehende Arbeitsleistung zu verbessern, ist es daher sinnvoll, nach seinem individuellen Chronotypen zu leben. Doch wie können Chronotypen genau bestimmt werden?

Die Bestimmung des Chrontyps – was die Haare über den zirkadianen Rhythmus verraten

Bisher gab es nur drei Möglichkeiten, den Chronotypen zu bestimmen. Zwei davon bestanden aus einem Fragebogen und einer Messung des Melatoninspiegels im Blut. Durch diese Methode konnte der sogenannten DLMO-Wert bestimmt werden. Dieser zeigt den genauen Zeitpunkt der natürlichen Melatoninausschüttung im Körper an. Darauf basierend kann dann der individuelle Chronotyp der Testperson bestimmt werden. Weiteren Aufschluss über den individuellen Chronotypen gaben ebenfalls die Selbsteinschätzungen der Testpersonen.

Die biologische Nacht – errechnet anhand von maximal 12 Haarwurzeln

Ein deutsches Forscherteam entdeckte nun eine vierte Möglichkeit der Chronotyp-Bestimmung. Seit April 2021 ist es nun auch möglich, mittels Haarwurzel den Chronotypen zu ermitteln. Aktuell sind hierfür jedoch ausschließlich Kopfhaare geeignet.

Hierbei werden 7 bis 12 Haarwurzeln mit Hilfe von modernen Laborgeräten bezüglich der Aktivität der Gene in der Haarprobe gemessen. Wie schon bei der vorher bekannten Methode der Messung des Melatoninspiegels wird daraufhin der DLMO-Wert ermittelt und die biologische Nacht errechnet. Dieser errechnete Zeitraum stellt dann den genetisch verankerten Schlafzeitraum dar. Dadurch kann eine individuelle Aussage über den Chronotypen getroffen werden.

Die Chronobiologie – eine Chance auf eine von Grund auf gesündere Arbeitskultur?

Einige Experten sind der Meinung, dass die Chronobiologie in fünf bis zehn Jahren ein Standard-Thema in Unternehmensberatungen, Krankenkassen und Bewerbungsverfahren sein wird.

Die Chronobiologie bietet Unternehmen die Chance, die Arbeitssicherheit und letztlich auch die Gesundheit der Belegschaft zu erhöhen. Das Integrieren chronobiologischen Wissens in unterschiedliche Arbeitszeitmodelle kann bei krankheitsbedingten Arbeitsausfällen und müdigkeitsbedingten Arbeitsunfällen präventiv Abhilfe schaffen. Beschäftigte würden so nicht mehr in Arbeitszeitmodellen arbeiten, für die sie genetisch nicht geeignet sind.

Wenn Sie mehr zum Potenzial der Chronobiologie oder zu entsprechenden Dienstleistungen in Deutschland erfahren möchten, kontaktieren Sie uns gerne per Mail.

Share on linkedin
Share on twitter
Share on facebook