Was Schlaf alles kann: ein Best-Practice-Beispiel

Mareike Möller

Trainee
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T-Systems hat zusammen mit der BARMER und dem IFBG die Kampagne #ausruhezeichen ins Leben gerufen. Wie das Großunternehmen es geschafft hat, seine Mitarbeitenden für das Thema Schlaf zu sensibilisieren, wird im Folgenden beschrieben.

Warum Schlaf so wichtig ist

Schlaf ist ein faszinierendes Thema und hat einen großen Stellenwert in unserem Leben. Während wir schlafen, finden aktive Prozesse, wie das Auffüllen von Energiereserven oder die Stärkung des Immunsystems, statt. Schlaf dient auch maßgeblich zur körperlichen und geistigen Regeneration. Neu erlerntes Wissen und Emotionen werden abgespeichert. Da Schlaf rund ein Drittel unserer Lebenszeit ausmacht und für unsere Gesundheit essenziell ist, sollte er auch in der betrieblichen Gesundheitsförderung mehr Berücksichtigung finden. Ein gesundes Schlafverhalten ist wichtig, um produktiv arbeiten zu können und leistungsfähig zu sein. Denn je erholsamer der Schlaf in der Nacht ist, desto wahrscheinlicher sind Höchstleistungen im Tagesverlauf. Dennoch sieht die Realität etwas anders aus: Schlafprobleme sind bei Erwerbstätigen weit verbreitet. Befragungsergebnisse des IFBG von 9.956 Erwerbstätigen zeigen, dass Frauen häufiger ein auffälliges Schlafverhalten haben (34,0 %) als ihre männlichen Kollegen (27,4 %).

Verheerende Folgen und Reaktion des Gesetzgebers

Die Folgen von zu wenig Schlaf sind verheerend: Müdigkeit ist eine der häufigsten Ursachen von Berufsunfällen, wie Studien zeigen. Dabei kann jeder fünfte Berufsunfall auf Schlafprobleme zurückgeführt werden (Kring, 2018). Schlafmangel – und damit fehlende Erholung – kann sich durch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen äußern. All diese Daten machen deutlich, dass sich auch Unternehmen mit dem Schlafverhalten ihrer Beschäftigten auseinandersetzen sollten, wenn sie an mehr Wohlbefinden und Produktivität interessiert sind. Zur Verbesserung des Schlafes der Belegschaft können Informationskampagnen und Sensibilisierungsmaßnahmen in der Organisation umgesetzt werden, die über die Wichtigkeit des Schlafes aufklären und so müdigkeitsbedingten Unfällen vorbeugen. So zeigen die Ergebnisse der Trendstudie #whatsnext2020 einen Wandel in der Bedeutung und Relevanz des Themas Schlaf in Unternehmen. Während 2017 nur 9,5 % der Organisationen Angebote im Bereich Schlaf und Erholung machten, waren es 2020 bereits 22,3 %. Auch der Gesetzgeber hat inzwischen reagiert und das Thema in der aktualisierten Fassung des Leitfadens Prävention aufgenommen.

„Mit der Kampagne für guten Schlaf und Erholung möchten wir die Gesundheit der Beschäftigten fördern und nachhaltig das Bewusstsein für den Schlaf im Kontext der Arbeitswelt schaffen.” Andreas Franke (Health & Safety, T-Systems)

Die Kampagne #ausruhezeichen

Ein beispielhaftes Vorgehen zur Implementierung des Themas Schlaf in die Arbeitswelt ist die Kampagne #ausruhezeichen bei der T-Systems International GmbH. Die Kampagne ist ein Gemeinschaftsprojekt von T-Systems, der BARMER und des IFBG, das 2020 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, Schlaf und Erholung für die Beschäftigten von T-Systems erlebbar zu machen. Neben klassischen Formaten wie Vorträgen oder Führungskräfte-Workshops wurden im ersten Projektjahr auch kurzweilige Tipp-Clips als „On-Demand-Lösung“ erstellt, die die Beschäftigten zum Thema sensibilisierten. Die T-Systems International GmbH, ein international operierender Dienstleister für Informations- und Kommunikationstechnologie und Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, ist mit einer Präsenz in über 20 Ländern und rund 29.000 Mitarbeitenden einer der weltweit führenden Anbieter digitaler Dienste. So wie T-Systems seine Kunden auf dem Weg der Digitalisierung begleitet, versteht sich auch das Health- und Safety-Team des Unternehmens als enger Unterstützer für die Belegschaft.

Gemeinsam mit der BARMER, dem Gesundheitspartner der Telekom, und dem IFBG wurden bedarfsgerechte Schlaf- und Erholungsangebote für Beschäftigte von T-Systems und deren Töchter in Deutschland entwickelt.

Die enge und gute Zusammenarbeit hatte sich bereits wenige Monate nach dem Start der Kampagne #ausruhezeichen mit dem Beginn des ersten Corona-Lockdowns bewiesen. Innerhalb weniger Tage mussten die bereits geplanten Angebote der Kampagne auf digitale Formate umgestellt werden. Die agilen Projektstrukturen zeigten gegenüber dem klassischen Projektmanagement schnell ihre Vorteile, da iterativ auf neue Herausforderungen reagiert werden konnte. Neben der partizipativen und flexiblen Zusammenarbeit zeichnet sich die starke Partnerschaft weiterhin durch die ideenreiche und vielfältige Weiterentwicklung der Angebote aus. So kann beispielsweise die Entwicklung des neuen Formats “Zu Gast bei …“ genannt werden, einem interaktiven Online-Format, das als Mix aus Vortrag und Workshop verstanden werden kann und vom IFBG innerhalb weniger Wochen entwickelt wurde. Ergänzend dazu wurde kurzerhand vom bewährten Vor-Ort-Schlaf-Parcours auf den 3D-Schlaf-Parcours gewechselt, der sogar vom Smartphone aus besucht werden kann. Durch diese webbasierte Anwendung konnte das Thema den Beschäftigten auch im Home-Office interaktiv vermittelt werden.

„Als Gesundheitspartner der Telekom liegt es uns am Herzen, ein so wichtiges Thema wie Schlaf kreativ und innovativ für die Beschäftigten zu gestalten.“ Ines Bollner (BARMER)

Postkarten, Kampagnenzeitung und Schlafbotschafter

Darüber hinaus besteht die Kampagne aus vielen weiteren Bausteinen. Ein zeitlich fest integrierter Bestandteil der Kampagne ist der #ausruhecheck, bei dem mögliche Ursachen für Schlafprobleme gefiltert werden. Diese werden anschließend im #ausruhecoaching von geschultem Personal fokussiert besprochen. 

Mit selbst entwickelten Visuals, Postkarten und der #ausruhezeitung verschafft sich die Kampagne immer mehr Aufmerksamkeit – sowohl unternehmensintern als auch extern. Außerdem zeigt sich, dass die Zusammenarbeit nachhaltig ist: Denn ein Kernelement der Kampagne ist die Ausbildung von sogenannten Ausruhebotschaftern. Bis zu 60 Beschäftigte werden im Jahr 2021 vom IFBG zum Thema Schlaf und Erholung geschult. Die Ausruhebotschafter sollen im Anschluss als sogenannte Gatekeeper fungieren und den Beschäftigten von T-Systems relevante Informationen zu den Grundlagen im Bereich Schlaf und Erholung an die Hand geben. Zudem sollen sie im Unternehmen Ansprechpartner für das Thema Schlaf sein und dieses langfristig im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) verankern. In der sich anschließenden Schlafbotschafter-Taufe und auch darüber hinaus besteht die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs und des Netzwerkens.

So stehen die nächsten Maßnahmen und Angebote für 2022 bereits in den Startlöchern. Durch die laufende Prozessevaluation der verschiedenen Kampagnenangebote werden die Inhalte fortlaufend optimiert und ggf. angepasst, um weitere ideenreiche Angebote zu schaffen und das Interesse daran stetig zu steigern.

„Die Umsetzung einer langfristigen Gesundheitsförderungs-Kampagne ist erfolgversprechend für die nachhaltige Verbesserung von Gesundheitsverhalten und -verhältnissen. Neben dem Mix aus sensibilisierenden Veranstaltungen und interaktiven Maßnahmen werden die #ausruhebotschafter für die nachhaltige Verankerung des Themas im Unternehmen sorgen können.“ Christian Fuhrken (IFBG)

Fazit: Das Gemeinschaftsprojekt ist bisher ein voller Erfolg. Die Relevanz des Themas rückt auch bei den Verantwortlichen von T-Systems zunehmend in den Vordergrund. Und nicht nur das! Die Verantwortlichen werden selbst Teil der Kampagne, indem sie bspw. für die kampagneneigene Podcast-Serie als Gesprächspartner zur Verfügung stehen und Einblicke ins persönliche Gesundheits- und Schlafverhalten geben.

Sollten auch Sie Interesse an einer mittel- oder langfristigen Umsetzung einer Gesundheitskampagne haben, melden Sie sich gern jederzeit bei uns. Für konkrete Rückfragen zum geschilderten Projekt steht Ihnen Dr. Mark Hübers sowie für die allgemeine Planung eines solchen Projekts Jakob Rittmeyer zur Verfügung.

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