Best-Practice-Ansatz der Gesundheitskommunikation:
Wie Gesundheitspartner bei Merck seit 10 Jahren neue Türen fürs BGM öffnen
Wie Gesundheitspartner bei Merck seit 10 Jahren neue Türen fürs BGM öffnen
Dr. Utz Niklas Walter
Alles Wichtige auf einen Blick
- Merck setzt seit 2016 erfolgreich auf interne Gesundheitspartner als Multiplikatoren im BGM.
- Persönliche Gesundheitskommunikation erhöht die Reichweite und erreicht auch schwer zugängliche Beschäftigte.
- Ein wissenschaftlich fundiertes Konzept und ein starkes Netzwerk sichern den langfristigen Erfolg des Ansatzes.
Ansatz aus der Forschung mutig in die BGM-Praxis überführt
Wie kann Gesundheitskommunikation in einem Großunternehmen mit über 12.000 Mitarbeitenden wirksam und glaubwürdig gestaltet werden? Der DAX-Konzern Merck ist vor genau zehn Jahren einen besonderen Weg gegangen. Der Ansatz: Seit 2016 werden Merck-Beschäftigte zu internen Gesundheitspartnern ausgebildet, die Informationen und Gesundheitsimpulse direkt in die Belegschaft tragen – vor allem dorthin, wo HR- und BGM-Verantwortliche kaum hingelangen. Doch wie erfolgreich und aufwendig ist ein solcher Ansatz? Und was sind letztlich die Erfolgsfaktoren in einem solchen Ausbildungskonzept, von dem auch kleinere Unternehmen und BGM-Verantwortliche von Krankenkassen lernen können?
Merck verfolgt im BGM bereits seit Jahrzehnten einen ganzheitlichen und zukunftsorientierten Ansatz. Arbeitsschutz, BGF und BEM gehen Hand in Hand und werden unter Einbindung des oberen Managements gesteuert. Das BGM-Team um Manfred Gertig sah jedoch stets Optimierungsmöglichkeiten und entschied sich 2016, ein umfassendes Gesundheitskommunikationskonzept zu entwickeln, um am Standort Darmstadt noch mehr Beschäftigte zu erreichen – vor allem risikoexponierte. Im Austausch mit Dr. Utz Niklas Walter wurden konkrete Maßnahmen umgesetzt und auf ihren Erfolg hin überprüft. Der Gründer von IFBG hatte 2011 im Rahmen seiner Promotion ein Modell zur Betrieblichen Gesundheitskommunikation erarbeitet, das mögliche Kommunikationsmaßnahmen im BGM sechs Kategorien zuordnete:
- Persönliche Kommunikation
- Direkte Kommunikation
- Event-Marketing
- Sales-Promotion
- Media-Werbung
- Public Relations
Im Mittelpunkt des Modells von Dr. Utz Niklas Walter stand dabei die Frage, welche dieser Kommunikationskategorien am erfolgversprechendsten für das BGM sind. Und vor allem: Wie können weniger gesundheitsaffine und schwer zugängliche Beschäftigte erreicht werden? Auf Basis von Erkenntnissen der Marketingkommunikation, der Verhaltenstheorie sowie der sozialen Netzwerkanalyse (SNA) wurde der persönlichen Kommunikation eine Schlüsselrolle zugesprochen.
Betriebsversammlung versus Pausenraum
Betriebsversammlung
versus Pausenraum
Was erst einmal wenig überraschend klingt, ist in der betrieblichen Praxis jedoch komplexer: Denn nicht jede Form der persönlichen Kommunikation wirkt gleichermaßen. Wenn die Fachkraft für Arbeitssicherheit auf der Betriebsversammlung am Rednerpult allgemeine Sicherheitshinweise gibt, wirkt dies anders, als wenn der beliebte Schichtkollege im Pausenraum erzählt, wie der Handlauf im Treppenhaus ihn kürzlich vor einem schweren Sturz bewahrt hat. Diese Person kann die Rolle eines so genannten Gesundheitspartners übernehmen und im Sinne eines „Gatekeepers“ Türen zu Gruppen innerhalb der Belegschaft öffnen, die sich sonst kaum für Angebote des BGM oder allgemeine Gesundheitshinweise interessieren.
Erfolgsfaktoren aus Sicht von Merck
Aus diesem Grund hat Merck 2016 die Ausbildung so genannter Gesundheitspartner ins Leben gerufen. 10 Jahre später ist dies zu einem Erfolgsmodell geworden. Dazu ein paar Zahlen und Fakten:
- Insgesamt wurden 250 Gesundheitspartner ausgebildet.
- Gesundheitspartner sind in allen Abteilungen vertreten.
- Auf die Grundausbildung folgen Fortbildungen und Netzwerktreffen.
- Das Konzept ist fest in der Unternehmensstrategie verankert und wird auf allen Führungsebenen aktiv unterstützt.
Für Initiator Manfred Gertig sind die letzten drei Aspekte auch wesentliche Faktoren für den Projekterfolg: „Darüber hinaus hat uns eine Betriebsvereinbarung zur Gesundheitspartner-Schulung enorm weitergeholfen. Und das konstante Bereitstellen von BGM-relevanten Informationen an die Gesundheits-Partner, bevor es andere Personen im Unternehmen wissen, war ebenfalls essenziell.“
Manfred Gertig, Leitung Gesundheitsmanagement, Merck
Einen weiteren Erfolgsfaktor sieht Gertig in der wissenschaftlich fundierten Evaluation des Projekts zu Beginn: „Auf diese Weise konnten wir u. a. nachweisen, dass Beschäftigte in den Abteilungen, in denen es ausgebildete Gesundheitspartner gab, tatsächlich mehr über das BGM im Unternehmen wussten als in Abteilungen ohne Gesundheitspartner.“
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Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft schaffen
Gertigs Kollegin Laura Reczek, die ebenfalls Teil des BGM-Teams bei Merck ist, gibt einen zusätzlichen Einblick in die praktische Umsetzung:
„Über die zweitägige Ausbildung knüpfen die neu geschulten Gesundheitspartner bereits erste Kontakte untereinander, was ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft schafft – und genau das habe ich mir für das Netzwerk gewünscht: Gemeinsam voneinander lernen und Themen ansprechen, die alle angehen. Die enge Verbindung zu unseren Gesundheitspartnern und somit zur Belegschaft ermöglicht es uns als BGM-Team außerdem, schneller die tatsächlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu eruieren und gezielte Maßnahmen zur Unterstützung zu entwickeln. Diese werden dann wiederum schnell über die Gesundheitspartner an die Kolleginnen und Kollegen weitergegeben, was letztendlich der Gesundheitssituation in unserem Unternehmen dient.“
Laura Reczek, Expert Health Management, Merck
Das Beispiel von Merck zeigt, wie eine erfolgreiche betriebliche Gesundheitskommunikation nachhaltige Wirkung entfalten kann.
Mehr über die Gesundheitspartnerschulung von IFBG finden Sie hier.
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