Darm & Gehirn - wie hängt das zusammen?

Tim Harwardt

Project Manager
Team Maßnahmen
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Der Darm, das menschliche Hauptorgan des Verdauungssystems und ein physiologisches Wunder für sich. Mit all seinen Bestandteilen weist er bei einem ausgewachsenen Menschen eine Gesamtlänge von bis zu acht Metern auf und ist mit knapp 300 bis 400 m² Gesamtoberfläche das mit Abstand größte Organ im menschlichen Körper. Hauptaufgabe des Darms ist es, die im Mund zerkleinerte und im Magen präparierte Nahrung weiter zu verwerten und über die sogenannten Darmzotten möglichst viele Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen.

Der Darm ist mehr als ein Organ

Die Forschung aus den letzten zehn Jahren zeigt allerdings, dass der Darm noch viel mehr ist als „nur ein Organ“. Mit einem Netz aus mehr als 100 Millionen Nervenzellen wird der Darm schon länger als „Bauchhirn“ bezeichnet. Über den sogenannten Vagusnerv besteht eine direkte Verbindung zwischen unserem Gehirn und dem „Bauchhirn“, so dass unser Gehirn direkte emotionale Reaktionen auf Signale unseres Darms zeigen kann. Aus diesem Grund hat sich die Forschung zunehmend dem direkten Einfluss unserer Darmgesundheit auf unsere psychische Gesundheit gewidmet. Auch wenn die Forschung hier noch in den Startlöchern steht, gibt es bereits einige Studien, die genau dies bestätigen. Es wurde bereits gezeigt, dass Darmmikroben die Neurotransmitter Dopamin sowie Serotonin bilden zu können. Zudem wurde ist inzwischen wissenschaftlich belegt, dass der Darm über seine Mikroben mit dem Gehirn kommuniziert und damit Angst- und Stressreaktionen beeinflusst (Rossbach, 2019).

Der Darm ist mehr als ein Organ

Reizdarm-Patienten haben beispielsweise überdurchschnittlich häufig mit Angstzuständen und Depressionen zu kämpfen. Mit der sogenannten Ballon-Studie konnte dies zusätzlich belegt werden. Bläst man einen Luftballon im Magen der Versuchsperson auf, so erkennt man deutlich erhöhte Aktivität in einem emotionalen Hirnbereich, in dem sonst unangenehme Gefühle verarbeitet werden.

Besonders interessant scheint auch der konkrete Einfluss unserer Darmflora auf unser Verhalten zu sein. In einer Studie mit Mäusen konnte so bereits gezeigt werden, dass die Adaption der Darmflora auch mit einer Adaption des Verhaltens einhergeht. So wiesen ängstliche Mäuse, nach der Übertragung der Darmflora einer eher mutigen Maus, deutlich weniger Angst auf als vor der Übertragung. Dies konnte auch im umgedrehten Falle nachgewiesen werden (Enders, 2014). Inwiefern diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen werden können, ist bisher noch unklar.

Die Forschung befindet sich in diesem Gebiet noch am Anfang. Dennoch ist eine Tendenz zu erkennen, dass sich unsere Darmgesundheit auf unsere psychische Gesundheit auswirkt. Im Zuge der stetig steigenden Zahl psychischer Erkrankungen, ist ein Blick auf das individuelle Ernährungsverhalten empfehlenswert.

Die Darmflora erfreut sich ebenso wie die generelle Gesundheit über eine ausgewogene Ernährung. Die 10 wichtigsten Tipps hierzu finden sie auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Mehr zum Thema Ernährung und zu spannenden Angeboten für die Gesundheit Ihrer Beschäftigten finden Sie in unserem Maßnahmenbereich Ernährung & Trinken.

Quellen:
Enders, G. (2014). Darm mit Charme – alles über ein unterschätztes Organ. Berlin: Ullstein Buchverlage.
Rossbach, G. (2019). Glücksorgan Gehirn – Selbstoptimierung beginnt im Kopf. Heidelberg: Springer Link.

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