Startseite • BGF-Maßnahmen • Gesundheit im Klimawandel: Was Organisationen jetzt wissen müssen
60 % der Beschäftigten in Deutschland nehmen bereits Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Arbeit wahr – zu diesem Ergebnis kommt der TK-Gesundheitsreport 2025. Damit zeigt sich: Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein Umweltproblem, sondern entwickelt sich zunehmend zu einer der größten globalen Gesundheitsherausforderungen. Darauf macht auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufmerksam, die den Klimawandel als zentrale Bedrohung für die menschliche Gesundheit einstuft.
Anlässlich des Weltgesundheitstags am 7. April 2026, der unter dem Motto „Gemeinsam für Gesundheit – mit Vertrauen in die Wissenschaft“ steht, rückte dieses Thema erneut in den Fokus. Gerade in Zeiten von Desinformation, sozialen Ungleichheiten und globalen Krisen gewinnen wissenschaftsbasierte Entscheidungen zunehmend an Bedeutung – insbesondere im Umgang mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels.
Klimawandel als Gesundheitsrisiko – und Chance
Die WHO warnt eindringlich davor, den Klimawandel isoliert als Umweltproblem zu betrachten. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe Gesundheitskrise mit weitreichenden Folgen. Eine hochrangige Expertenkommission aus Genf hat die WHO bereits dazu aufgefordert, einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen – ein Schritt, der die Dringlichkeit der Situation unterstreicht.
Gleichzeitig bietet der Umgang mit dem Klimawandel auch Chancen: Maßnahmen zum Klimaschutz können unmittelbar positive Effekte auf die Gesundheit haben. Dazu zählen unter anderem bessere Luftqualität, mehr Bewegung im Alltag und nachhaltigere Lebensweisen. Klimaschutz und Gesundheitsförderung greifen somit ineinander – ein Zusammenhang, der auch für Unternehmen zunehmend relevant wird.
Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat der Klimawandel auf Beschäftigte?
Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels sind bereits heute deutlich spürbar – sowohl körperlich als auch psychisch. Insbesondere zunehmende Hitzeperioden erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsprobleme und Kreislaufzusammenbrüche. Gleichzeitig wirken sich hohe Temperaturen negativ auf Konzentration, Schlaf, Leistungsfähigkeit und das psychische Wohlbefinden aus. Dauerhafte Belastungen, Zukunftsängste und das Gefühl fehlender Kontrolle können Stress, Unsicherheit und mentale Erschöpfung verstärken. Begriffe wie „Klimaangst“ oder „Klimastress“ beschreiben dabei die wachsende emotionale Belastung vieler Menschen.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, Schwangere, Personen mit Vorerkrankungen sowie Beschäftigte in körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten oder mit Außeneinsätzen. Dass diese Gruppen die Auswirkungen besonders stark wahrnehmen, bestätigt auch der Gesundheitsreport 2025 von IFBG und Techniker Krankenkasse: 77 % der Beschäftigten mit überwiegender Außentätigkeit berichten bereits von Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Arbeit und Gesundheit – bei Beschäftigten mit überwiegender Innentätigkeit sind es dagegen 50 %. Auch Beschäftigte mit schwer körperlicher Tätigkeit fühlen sich deutlich häufiger betroffen als Personen mit überwiegender Schreibtischarbeit (75 % vs. 39 %).
Darüber hinaus berichten 45 % der Beschäftigten von körperlichen Beschwerden infolge des Klimawandels, 43 % von sinkender Leistungsfähigkeit und Produktivität sowie 41 % von einem erhöhten Unfallrisiko. Gleichzeitig sind mehr als zwei Drittel der Beschäftigten über die zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels besorgt. Besonders alarmierend: Krankschreibungen aufgrund von Hitzeschäden oder Sonnenstichen treten an Hitzetagen rund siebenmal häufiger auf als saisonal erwartet.
Neben den unmittelbaren Belastungen werden auch langfristige gesundheitliche Folgen zunehmend sichtbar. Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Waldbrände oder Dürren können psychische Belastungen zusätzlich verstärken und langfristig Depressionen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen begünstigen. Eine internationale Studie des Universitätsklinikums Heidelberg zeigt zudem einen deutlichen Anstieg hitzebedingter Todesfälle in Europa. Zusätzlich weisen aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass steigende Temperaturen indirekt weitere gesundheitliche Risiken wie die Entstehung von Nierensteinen begünstigen können. Der Klimawandel beeinflusst damit nicht nur Umwelt und Arbeitsbedingungen, sondern zunehmend auch die körperliche und psychische Gesundheit von Beschäftigten.
TK-Gesundheitsreport 2025
Bedeutung des Klimawandels für das Betriebliche Gesundheitsmanagement
Die Auswirkungen des Klimawandels verändern die Anforderungen an ein zeitgemäßes und zukunftsorientiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) grundlegend. Unternehmen sind zunehmend gefordert, klimabedingte Belastungen systematisch zu berücksichtigen und präventiv zu handeln. Dabei hängt auch das psychische Wohlbefinden der Beschäftigten stark davon ab, wie aktiv Organisationen mit den gesundheitlichen Herausforderungen des Klimawandels umgehen. Fehlende Maßnahmen oder unzureichende Kommunikation können Unsicherheiten und Belastungen zusätzlich verstärken.
Zentrale Ansatzpunkte sind:
- Maßnahmen zur Hitzeprävention am Arbeitsplatz,
- Flexible Arbeitszeiten und Pausenregelungen an heißen Tagen,
- Förderung nachhaltiger Mobilität (z. B. Fahrrad‑Leasing),
- Einsatz umweltfreundlicher Materialien,
- Integration gesundheitsförderlicher Verhaltensangebote,
- betriebliche Informations‑ oder Sensibilisierungsangebote rund um Klima und Gesundheit.
Besonders wirksam sind sogenannte Co-Benefits – Maßnahmen, die sowohl der Umwelt als auch der Gesundheit zugutekommen. Der TK-Gesundheitsreport zeigt, dass Beschäftigte solche Angebote besonders positiv bewerten. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist Kommunikation. Viele Beschäftigte wünschen mehr Transparenz und konkrete Informationen darüber, wie Unternehmen auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren. Führungskräfte spielen hierbei eine Schlüsselrolle, indem sie Orientierung geben und Unsicherheiten aktiv adressieren.
Auch die psychische Gefährdungsbeurteilung (GB-Psych) gewinnt in diesem Kontext an Bedeutung. Themen wie Klimaangst, Dauerbelastung oder Zukunftssorgen sollten im BGM stärker berücksichtigt werden. Instrumente wie die GB-Psych können dabei helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen und passende Unterstützungsangebote abzuleiten.
Wie Gesundheitsförderung und Klimabewusstsein praxisnah miteinander verbunden werden können, zeigt beispielsweise der Planetary-Health-Parcours. An interaktiven Stationen setzen sich Beschäftigte mit Themen wie planetarer Gesundheit, nachhaltigem Verhalten und psychischer Belastung durch den Klimawandel auseinander. Gleichzeitig erhalten sie konkrete Impulse für gesundheitsförderliches und nachhaltiges Handeln im Arbeitsalltag. Solche niedrigschwelligen Angebote können dazu beitragen, Gesundheitskompetenz zu stärken und das Bewusstsein für die Wechselwirkungen zwischen Klima, Arbeit und Gesundheit nachhaltig zu fördern.
Klimawandel am Arbeitsplatz: Erkenntnisse aus der Praxis
Im Rahmen des TK-Gesundheitsreports 2025 haben IFBG und die Techniker Krankenkasse untersucht, wie Beschäftigte und Unternehmen die Auswirkungen des Klimawandels wahrnehmen. Befragt wurden rund 1.000 Beschäftigte sowie 350 Unternehmensverantwortliche. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Der Klimawandel ist längst in der Arbeitswelt angekommen – mit spürbaren Auswirkungen auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Vertiefende Einblicke und konkrete Handlungsempfehlungen bietet der Vortrag „Klimawandel am Arbeitsplatz – was Unternehmensverantwortliche jetzt wissen müssen“. Unternehmen erhalten hier aktuelle und praxisnahe Ansätze, um ihre Beschäftigten gezielt zu unterstützen und das BGM zukunftsfähig auszurichten.


