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Schichtarbeit und Gesundheit:
Risiken, Folgen und 6 Maßnahmen
zur Entlastung
In den vergangenen Jahren haben Arbeitszeiten außerhalb der klassischen Tagesarbeitszeit deutlich zugenommen. Spät-, Nacht- und Wochenendarbeit gehören für viele Beschäftigte inzwischen zum Berufsalltag. Allein in Deutschland arbeiten rund 3,5 Millionen Menschen dauerhaft oder regelmäßig in Nachtschichten. Besonders in Bereichen wie dem Gesundheitswesen, dem Verkehr und Transportwesen sowie der Industrie ist Schichtarbeit unverzichtbar und sichert wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Leistungen. Gleichzeitig stellt sie Beschäftigte vor besondere gesundheitliche Herausforderungen.
Um die Leistungen dieser Beschäftigten sichtbar zu machen und auf ihre besonderen Herausforderungen aufmerksam zu machen, wurde 2017 der „Tag der Schichtarbeit“ von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ins Leben gerufen. Er rückt die Bedeutung von Schichtarbeitenden für das Funktionieren unserer Gesellschaft ebenso in den Fokus wie die gesundheitlichen Auswirkungen, die mit dieser Arbeitsform verbunden sein können.
Warum ist Schichtarbeit gesundheitlich belastend? Der Einfluss auf den Körper
Medizinische Studien zeigen, dass unregelmäßige Arbeitszeiten den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören und wechselnde Schichten ein Risiko für Sicherheit und Gesundheit darstellen. Besonders die Nachtarbeit mit der Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus ist sehr belastend. „Der Körper möchte Ruhe und Entspannung – Arbeit gegen den zirkadianen Rhythmus ist daher immer mit einem erhöhten Aufwand verbunden“, erklärt Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
Folgen durch die starke körperliche Beanspruchung sind unter anderem eine geschwächte Immunabwehr. Zudem treten häufig auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Rücken- und Kreuzschmerzen, Müdigkeit und akute Erschöpfung sowie Schlafstörungen und chronischer Schlafmangel auf, die nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern auch zum Burnout führen können und das Unfallrisiko im Arbeitsalltag und Straßenverkehr erhöhen. Hinzu kommen mögliche schwere chronische Erkrankungen. Beschäftigte, die regelmäßig in Nachtschichten arbeiten, haben ein um 23 % erhöhtes Risiko für Adipositas. Darüber hinaus steigt langfristig auch das Risiko für Typ-2-Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders kritisch wird der Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und Krebserkrankungen bewertet: Studien deuten auf Zusammenhänge zwischen langjähriger Nachtarbeit und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebserkrankungen wie Brust-, Prostata- und Darmkrebs hin. Vor diesem Hintergrund wird regelmäßige Nachtschichtarbeit von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf die Gesundheit der Beschäftigten. Auch Unternehmen bekommen die Folgen einer dauerhaft hohen Belastung zunehmend zu spüren.
Warum führt Schichtarbeit zu höherer Mitarbeiterfluktuation?
Die gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen der Schichtarbeit können sich auch auf die Mitarbeiterbindung auswirken. Beschäftigte in Schichtsystemen wechseln tendenziell häufiger den Arbeitsplatz als Beschäftigte mit regulären Arbeitszeiten. Darauf weist eine Statistik des Instituts der deutschen Wirtschaft hin. Demnach verzeichnen Betriebe, die verstärkt auf flexible Arbeitszeitformen wie Schichtarbeit, versetzte Arbeitszeiten oder Wochenendarbeit setzen, höhere Fluktuationsraten.
Allerdings erleben nicht alle Beschäftigten Schichtarbeit gleichermaßen belastend. Wie gut Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten zurechtkommen, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab.
Welche Faktoren beeinflussen das Erkrankungsrisiko bei Schichtarbeit?
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen der individuelle Chronotyp sowie das Alter. Beide bestimmen maßgeblich, wie gut sich Menschen an wechselnde Arbeitszeiten anpassen können. Idealerweise würde der Chronotyp bereits in der Schichtplanung berücksichtigt, da Menschen zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedlich leistungsfähig sind. In der Praxis ist eine solche individualisierte Planung jedoch nur eingeschränkt umsetzbar.
Je nach Chronotyp zeigen sich unterschiedliche Belastungsprofile, sodass es kein einheitlich „optimales“ Schichtsystem für alle Beschäftigten gibt. Personen mit einem sogenannten „Eulen“-Chronotyp sind abends leistungsfähiger, bleiben gerne länger wach und kommen mit Nachtarbeit in der Regel besser zurecht als mit Tätigkeiten, die ein regelmäßiges frühes Aufstehen erfordern. Frühaufsteher mit dem „Lerchen“-Chronotyp haben damit häufiger Schwierigkeiten.
Neben dem Chronotyp spielt auch das Alter eine zentrale Rolle. Mit zunehmendem Alter nimmt die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Schlaf-Wach-Rhythmen in der Regel ab, gleichzeitig verschiebt sich die innere Uhr häufig in Richtung früherer Müdigkeit. Dadurch werden insbesondere Nacht- und Wechselschichten für ältere Beschäftigte belastender. Dennoch ist Schichtarbeit grundsätzlich auch im höheren Erwerbsalter möglich, da keine gesetzliche Altersgrenze besteht. Umso wichtiger sind regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, um gesundheitliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu begleiten. Beschäftigte ab 50 Jahren haben Anspruch auf eine jährliche arbeitsmedizinische Untersuchung, jüngere in der Regel alle drei Jahre. Neben der individuellen Vorsorge können jedoch auch Unternehmen viel dazu beitragen, die Auswirkungen von Schichtarbeit zu reduzieren und die Gesundheit ihrer Beschäftigten langfristig zu fördern.
Wie kann man Schichtarbeit gesund gestalten? 6 Tipps zur Reduktion von Belastungen
Schichtarbeit ist in vielen Branchen unverzichtbar, stellt Beschäftigte jedoch vor besondere körperliche und mentale Herausforderungen. Mit gezielten Maßnahmen können Betriebe die Belastungen der Schichtarbeit jedoch wirksam reduzieren und die Gesundheit ihrer Beschäftigten fördern.
1. Schichtrhythmus gesund gestalten
Die Gestaltung des Schichtsystems hat einen wesentlichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden. Vorwärts rotierende Schichtfolgen, also der Wechsel von Früh-, Spät- zu Nachtschichten, werden von vielen Beschäftigten besser vertragen als andere Modelle. Zudem sollten Nachtschichten möglichst begrenzt und durch ausreichende Erholungszeiten ergänzt werden. Ebenso wichtig ist eine gute Schlafhygiene, um den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus bestmöglich zu unterstützen.
2. Planungssicherheit und Vereinbarkeit fördern
Eine verlässliche und langfristige Einsatzplanung schafft Orientierung und reduziert Stress. Beschäftigte können ihren Alltag besser organisieren und Beruf, Familie sowie Freizeit leichter miteinander vereinbaren. Schichtpläne sollten dabei möglichst gesundheitsgerecht gestaltet werden, beispielsweise durch ausreichende Erholungszeiten zwischen den Einsätzen und die Vermeidung besonders belastender Schichtfolgen. Tätigkeiten, die nicht zwingend nachts durchgeführt werden müssen, sollten nach Möglichkeit in den Tag verlagert werden.
3. Flexibilität und Entlastung ermöglichen
Flexible Arbeitszeitmodelle können Schichtsysteme sinnvoll ergänzen. Dazu gehören beispielsweise Gleitzeitregelungen, individuelle Arbeitszeitkonten oder verkürzte Arbeitszeiten. Um besondere Belastungen auszugleichen, ist zusätzliche Freizeit häufig wirksamer und nachhaltiger als rein finanzielle Anreize.
4. Ernährung und Bewegung gezielt unterstützen
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen dabei, die Anforderungen der Schichtarbeit besser zu bewältigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt vor der Nachtschicht eine vollwertige Mahlzeit und während der Arbeit eher leichte Speisen. Größere Mahlzeiten sollten möglichst vor Mitternacht eingenommen werden. Darüber hinaus können Bewegungsangebote oder kurze Aktivierungseinheiten dazu beitragen, Müdigkeit zu reduzieren und das Wohlbefinden zu stärken.
5. Erholung im Arbeitsalltag ermöglichen
Neben ausreichenden Ruhezeiten zwischen den Schichten sind auch Erholungsmöglichkeiten während der Arbeitszeit wichtig. Rückzugsräume für Pausen, geeignete Ruheräume oder kurze Entspannungsangebote können dazu beitragen, Belastungen besser auszugleichen und die Regeneration zu fördern.
6. Gesundheitsförderung stärken und Führungskräfte sensibilisieren
Gezielte Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) können einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Schichtbeschäftigten leisten. Dazu zählen beispielsweise Vorträge, Workshops, Webinare zu Themen wie Schlaf, Ernährung und mentale Gesundheit oder ein Schicht-Parcours. Ebenso wichtig sind geschulte Führungskräfte, die die besonderen Herausforderungen der Schichtarbeit kennen und für gesundheitliche Belastungen sensibilisiert sind. Gezielte BGF-Maßnahmen können sie dabei unterstützen, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen, offen anzusprechen und Beschäftigte bei Bedarf gezielt zu begleiten. Gesundheitsförderliche Maßnahmen können nicht nur das Wohlbefinden der Beschäftigten stärken, sondern auch dazu beitragen, Fehlzeiten zu reduzieren und die Mitarbeiterbindung zu fördern. Der Schicht-Parcours von IFBG unterstützt Unternehmen dabei, Beschäftigte für die besonderen Herausforderungen der Schichtarbeit zu sensibilisieren und gesundheitsförderliche Verhaltensweisen praxisnah zu vermitteln.


