Startseite • BGF-Maßnahmen • Pflege • Stress in der Pflege: Wege zu mehr Gesundheit und Resilienz für Pflegekräfte
Rund 1,7 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in der Pflege. Sie versorgen, begleiten und unterstützen täglich Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder im häuslichen Umfeld. Damit gehören Pflegekräfte zu den zentralen Säulen unseres Gesundheitssystems. Ohne ihre Arbeit wäre eine verlässliche medizinische und pflegerische Versorgung kaum denkbar.
Der Internationale Tag der Pflege am 12. Mai 2026 macht auf die Bedeutung dieser Berufsgruppe aufmerksam. Gleichzeitig soll er das Bewusstsein für die Herausforderungen stärken, mit denen Pflegekräfte im Berufsalltag konfrontiert sind – von hoher körperlicher Belastung über emotionale Anforderungen bis hin zu Personalmangel und Zeitdruck. Der Aktionstag geht auf den Geburtstag von Florence Nightingale zurück, einer Pionierin der modernen Krankenpflege. Heute steht der Tag weltweit für Anerkennung, Wertschätzung und den Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Pflegebedarfs wird deutlich: Die Rolle der Pflege wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Umso wichtiger ist es, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von Pflegekräften langfristig zu stärken – etwa durch gezielte Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Pflege im Wandel: Mehr Bedarf, zu wenig Fachkräfte
Der Pflegebedarf steigt kontinuierlich. Der demografische Wandel führt dazu, dass immer mehr ältere Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. Prognosen zeigen beispielsweise, dass allein in Baden-Württemberg die Zahl der pflegebedürftigen Menschen bis 2035 deutlich zunehmen wird.
Damit wächst auch der Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften. Bereits heute sind Pflegekräfte stark gefragt und offene Stellen bleiben häufig unbesetzt. In einigen Regionen kommen statistisch mehrere offene Stellen auf eine arbeitssuchende Pflegefachkraft – ein deutlicher Hinweis auf den bestehenden Fachkräftemangel. Diese Entwicklung zeigt, dass Pflegeberufe zu den zentralen Zukunftsberufen unserer Gesellschaft gehören.
Zwischen Berufung und Belastung: Herausforderungen im Pflegealltag
Trotz seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung ist der Pflegeberuf mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Viele Pflegekräfte erleben ihren Berufsalltag als körperlich und psychisch anspruchsvoll. Gleichzeitig zeigt die Pflegestudie 2.0 von IFBG in Kooperation mit der BARMER, dass rund 79 % der Pflegekräfte ihre Arbeit als sinnstiftend erleben – trotz der hohen Belastungen im Berufsalltag. Diese Gleichzeitigkeit von hoher Sinnstiftung und starker Beanspruchung verdeutlicht die besondere Situation in der Pflege: Der Beruf wird von vielen als erfüllend wahrgenommen, ist jedoch zugleich mit erheblichen gesundheitlichen Herausforderungen verbunden.
Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass Pflegekräfte besonders häufig von gesundheitlichen Belastungen betroffen sind. So zeigt eine Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten der Techniker Krankenkasse zum Tag der Pflege 2025, dass Pflegekräfte im Jahr 2024 im Durchschnitt 28,5 Tage krankgeschrieben waren – also fast einen Monat. In der Altenpflege lag der Wert sogar bei 33,1 Krankheitstagen pro Jahr. Zu den häufigsten Belastungen gehören:
1. Hohe körperliche Beanspruchung
Pflegekräfte bewegen und unterstützen Patientinnen und Patienten täglich – beim Umlagern, Transfer oder bei der Mobilisation. Diese Tätigkeiten sind körperlich anstrengend und können langfristig zu Muskel- und Skeletterkrankungen führen.
2. Schichtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten
Früh-, Spät- und Nachtschichten gehören zum Berufsalltag in der Pflege. Die unregelmäßigen Arbeitszeitenerschweren häufig eine gesunde Work-Life-Balance und können Schlafprobleme wie chronische Schlafstörungen sowie langfristige gesundheitliche Belastungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen.
3. Psychische Belastung und emotionale Anforderungen
Pflegekräfte arbeiten täglich mit Menschen, die krank, pflegebedürftig oder sterbend sind. Diese emotionalen Situationen erfordern ein hohes Maß an Empathie, psychischer Stabilität und Resilienz, um die Belastungen langfristig bewältigen zu können. Die Pflegestudie 2.0 zeigt zudem, dass die hohe Arbeitsbelastung mit kognitiven Stresssymptomen wie Konzentrationsproblemen oder verminderter Leistungsfähigkeit einhergehen kann.
4. Personalmangel und Zeitdruck
Der Fachkräftemangel führt in vielen Einrichtungen zu einer hohen Arbeitsbelastung. Pflegekräfte betreuen häufig viele Patientinnen und Patienten gleichzeitig, arbeiten unter hohem Zeitdruck und müssen zudem jederzeit auf plötzliche Gesundheitsverschlechterungen schnell und angemessen reagieren. Der Fachkräftemangel führt in vielen Einrichtungen zu einer hohen Arbeitsbelastung. Pflegekräfte betreuen häufig viele Patientinnen und Patienten gleichzeitig, arbeiten unter hohem Zeitdruck und müssen zudem jederzeit auf plötzliche Gesundheitsverschlechterungen schnell und angemessen reagieren (Pflegestudie 2.0).
5. Mangelnde Wertschätzung
Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor im Pflegealltag ist die erlebte Wertschätzung. Die Pflegestudie 2.0 verdeutlicht, dass nur rund jede fünfte Pflegekraft ein hohes Maß an Wertschätzung durch Führungskräfte erfährt. Gleichzeitig berichten über 40 % der Befragten von geringer oder sehr geringer Wertschätzung. Dabei ist gerade Wertschätzung ein entscheidender Einflussfaktor für Motivation, Gesundheit und die langfristige Bindung an den Beruf. Sie trägt wesentlich dazu bei, wie belastbar und zufrieden Beschäftigte im Pflegealltag bleiben.
Warum ist Gesundheitsschutz für Pflegekräfte besonders wichtig?
Gerade weil Pflegekräfte anderen Menschen helfen, ist ihre eigene Gesundheit ein zentraler Faktor für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Hier gewinnt die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) eine besondere Bedeutung. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt auch die Pflegestudie 2.0: Pflegekräfte wünschen sich vor allem bessere Arbeitsbedingungen, verlässlichere Arbeitszeiten, mehr Personal sowie mehr Wertschätzung im Arbeitsalltag.
Mögliche Maßnahmen zur Entlastung und Unterstützung von Pflegekräften sind beispielsweise:
- Ergonomische Schulungen und Rückentraining
- Impulse zur Förderung der mentalen Gesundheit, Stressmanagement und Resilienz (z. B. Vor-Ort-Parcours, Webinare etc.)
- Gesundheitsförderliche Schichtplanung
- Führungskräfteschulungen für gesundheitsorientierte Führung
Besonders empfehlenswert für Bedienstete in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist der Stress-Pflege-Parcours. Dieser wurde von IFBG gemeinsam mit Pflegepersonal entwickelt und adressiert typische Belastungen im Arbeitsalltag (u. a. Kommunikation, Pausenmanagement). Der Parcours trägt dazu bei, Belastungen zu reduzieren, die Gesundheit von Pflegekräften zu stärken und langfristig auch die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen.
Wertschätzung sichtbar machen – nicht nur am 12. Mai
Der Tag der Pflege erinnert uns jedes Jahr daran, wie wichtig Pflegekräfte für unsere Gesellschaft sind. Gleichzeitig macht er deutlich, dass Wertschätzung nicht nur symbolisch erfolgen darf. Neben gesellschaftlicher Anerkennung braucht es vor allem nachhaltige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen sowie gezielte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Denn nur wenn Pflegekräfte gesund bleiben, können sie auch langfristig die wichtige Arbeit leisten, die unsere Gesellschaft dringend benötigt.






