Startseite • BGF-Maßnahmen • Mentale Gesundheit • Kurzurlaube: Warum es uns guttut, häufiger mal abzuschalten
Der Urlaub ist gebucht, die Vorfreude wächst – und doch kreisen die Gedanken oft weiter um offene Aufgaben, unbeantwortete E-Mails und lange To-do-Listen. Vielen Menschen fällt es schwer, wirklich abzuschalten und innerlich Abstand zu gewinnen. Gerade deshalb können Kurzurlaube so wertvoll sein – vorausgesetzt, man nutzt sie bewusst und lässt sich tatsächlich darauf ein.
In einer Arbeitswelt, die von ständiger Erreichbarkeit, digitalen Reizen und einem hohen Tempo geprägt ist, wird echte mentale Erholung zunehmend zur Herausforderung. Gleichzeitig ist genau diese Erholung entscheidend, um neue Energie zu tanken und langfristig gesund sowie leistungsfähig zu bleiben. Kurzurlaube bieten hier eine wichtige Chance: Sie durchbrechen den Alltag, schaffen kleine Inseln der Ruhe und helfen dabei, den Kopf wieder freizubekommen.
Warum bleibt Unerledigtes hängen?
Der Zeigarnik-Effekt beschreibt das psychologische Phänomen, dass unser Gehirn unvollendete Aufgaben stärker abspeichert als abgeschlossene. Offene Punkte bleiben dadurch mental präsent und beschäftigen uns häufig auch außerhalb der Arbeitszeit. Bereits in den 1920er-Jahren zeigte die Psychologin Bluma Zeigarnik, dass Menschen sich besser an unterbrochene oder nicht abgeschlossene Aufgaben erinnern.
Im heutigen Arbeitsalltag wird dieser Effekt durch ständige Erreichbarkeit, parallele Projekte und digitale Kommunikation zusätzlich verstärkt – mit der Folge, dass vielen das gedankliche Abschalten schwerfällt. Selbst im Urlaub kreisen die Gedanken häufig weiter um unerledigte Aufgaben, wodurch Erholung nur eingeschränkt gelingt. Genau hier setzen Kurzurlaube an, indem sie Abstand schaffen und helfen, gedankliche Schleifen zu durchbrechen.
Warum sind kurze Auszeiten wertvoll?
Während längere Urlaube oft als besonders erholsam gelten, zeigen aktuelle Erkenntnisse, dass auch regelmäßige Kurzurlaube positive Effekte auf Wohlbefinden und Stressreduktion haben können. Bereits wenige freie Tage können helfen, Routinen zu unterbrechen, den Kopf freizubekommen und neue Perspektiven zu gewinnen.
„Viele Beschäftigte stehen dauerhaft unter Strom – selbst in freien Momenten. Das liegt nicht nur an hohen Anforderungen, sondern auch daran, dass Arbeit durch digitale Kanäle ständig präsent bleibt. Aus wissenschaftlicher Perspektive kann man sagen, dass bereits vier Tage Urlaub das Stresslevel reduzieren.“
Entscheidend sei dabei weniger die Länge der Auszeit als die Qualität der Erholung. Wer es schafft, wirklich abzuschalten, profitiert meist stärker als jemand, der zwar verreist, gedanklich aber weiter im Job bleibt. „Erholung bedeutet nicht automatisch, nichts zu tun. Entscheidend ist vielmehr, dass wir mental Abstand gewinnen und unserem Gehirn die Möglichkeit geben, offene Gedankenschleifen zu unterbrechen“, so Maike Sauermann in einem Interview. Die Wirtschaftspsychologin betont, dass Erholung zudem individuell ist: „Es kommt nicht so sehr darauf an, was wir machen, sondern wie wir uns dabei fühlen.“ Je nach Person kann Erholung Bewegung in der Natur, Ruhe, Schlaf oder Zeit mit vertrauten Menschen bedeuten. Doch was genau sorgt eigentlich dafür, dass Erholung gelingt?
Was echte Erholung fördert
Ein hilfreiches Konzept ist das DRAMMA-Modell, das zentrale Faktoren für Erholung beschreibt.
Zu den sechs zentralen Erfahrungen gehören:
- D – Detachment: mentales Abschalten von Arbeit und Verpflichtungen
- R – Relaxation: körperliche und geistige Entspannung
- A – Autonomy: Selbstbestimmung darüber, wie wir unsere freie Zeit gestalten
- M – Mastery: das Erleben von Kompetenz und persönlicher Weiterentwicklung
- M – Meaning: sinnvolle Aktivitäten, die innere Zufriedenheit schaffen
- A – Affiliation: soziale Verbundenheit und zwischenmenschliche Beziehungen
„Je mehr Aspekte dieses Modells erfüllt sind, desto erholter fühlt man sich“, erklärt Sauermann. Es geht darum, positive Erfahrungen zu machen, die Körper und Geist stärken. Wichtig ist zudem, schon vor dem Urlaub Tempo herauszunehmen. Wer bis zum letzten Arbeitstag alles erledigen will, startet oft erschöpft in die freie Zeit. Hilfreich kann es deshalb sein, Aufgaben frühzeitig zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und den Abwesenheitsassistenten rechtzeitig zu aktivieren. Auch eine kurze Selbstreflexion kann dabei unterstützen, den eigenen Anspruch zu hinterfragen: „Muss ich wirklich jede Aufgabe erledigt haben, bevor ich in den Urlaub gehe, oder kann ich auch Dinge delegieren, Zwischenziele setzen und später weitermachen?“
Der Wiedereinstieg nach dem Urlaub: So bleibt Erholung erhalten
Ein ebenso wichtiger Aspekt ist ein bewusst gestalteter Wiedereinstieg nach dem Urlaub. Wer direkt mit einer vollen Arbeitswoche startet, verliert das Erholungsgefühl häufig besonders schnell. Maike Sauermann empfiehlt deshalb einen sanfteren Übergang. Am besten ist es, „nicht mit einer kompletten Arbeitswoche einzusteigen, sondern zum Beispiel an einem Mittwoch aus dem Urlaub zurückkehren“, rät sie. So folgen nach wenigen Arbeitstagen bereits wieder freie Tage, was den Wiedereinstieg deutlich erleichtern kann. Zusätzlich können kleine mentale Routinen helfen, den Erholungseffekt länger zu bewahren. Wer sich nach dem Urlaub bewusst an schöne Momente erinnert oder den Urlaubsort gedanklich noch einmal aufruft, verlängert das positive Gefühl ein Stück weit.
Entspannt in den Urlaub starten und erholt in den Arbeitsalltag zurückkehren
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Webinare: „Ready to Take Off“ und „Longevity“. Das erste Webinar zeigt, wie Erholung im Arbeitsalltag
wirklich gelingt – vom optimalen Urlaubseinstieg bis zum stressfreien Wiedereinstieg. Im zweiten Webinar
erhalten Ihre Beschäftigten fundierte Einblicke in die Faktoren eines langen und gesunden Lebens und
lernen, wie aktuelle Trends wie Blue Zones oder Abnehmspritzen einzuschätzen sind.
Kleine Auszeiten, große Wirkung
Kurzurlaube, kleine Pausen und bewusstes Abschalten sind kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Gerade in Zeiten ständiger Erreichbarkeit braucht es bewusste Unterbrechungen, um langfristig belastbar zu bleiben. Wer offene Aufgaben nicht mit in die freie Zeit nimmt, sondern Erholung aktiv zulässt, kann Stress reduzieren und resilienter durch den Alltag gehen. Kurzurlaube sind ein wirkungsvoller erster Schritt zu mehr Erholung im Alltag.


