Männergesundheit im November:
Vom Aktionstag zur nachhaltigen Prävention
Männergesundheit im
November: Vom Aktionstag
zur nachhaltigen Prävention
Tim Harwardt
Alles Wichtige auf einen Blick
- Männergesundheit umfasst körperliche und psychische Gesundheit sowie gesundheitsbezogenes Verhalten.
- Organisationen können über das BGM wichtige Impulse für Prävention, Gesundheitskompetenz und Arbeitsfähigkeit setzen.
- Der Männergesundheitsmonat bietet Anlass, bestehende Angebote zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Wie Menschen ihre eigene Gesundheit wahrnehmen, kann sich zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Studien zeigen, dass Männer ihren Gesundheitszustand häufiger positiv bewerten als Frauen. Doch objektive Gesundheitsdaten zeichnen ein differenzierteres Bild: Bei psychischen Belastungen, Schlafproblemen und der Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten zeigen sich relevante Handlungsfelder. Für Organisationen ist Männergesundheit deshalb kein Randthema. Sie betrifft einen großen Teil der Belegschaft und berührt zentrale Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagements – von Prävention und Gesundheitskompetenz bis zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Der Männergesundheitsmonat November bietet mit dem Tag der Männergesundheit am 3. November und dem Internationalen Männertag am 19. November einen geeigneten Anlass, bestehende Strukturen zu prüfen: Welche gesundheitlichen Themen sind für männliche Beschäftigte relevant? Welche Angebote erreichen sie tatsächlich? Und welche Barrieren erschweren möglicherweise den Zugang? Dabei geht es nicht um eine pauschale Gegenüberstellung von Männern und Frauen, sondern um eine geschlechtersensible Gesundheitsförderung, die unterschiedliche Lebenssituationen, Arbeitsbedingungen und gesundheitsbezogene Verhaltensweisen berücksichtigt.
Männergesundheit: Mehr als nur ein Vorsorgethema
Männergesundheit: Mehr als nur ein Vorsorgethema
Männergesundheit wird häufig mit Vorsorgeuntersuchungen oder bestimmten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Tatsächlich umfasst sie jedoch weit mehr: Neben der körperlichen Gesundheit spielen auch psychisches Wohlbefinden, Bewegung, Ernährung, Schlaf und gesundheitsbezogene Verhaltensweisen eine wichtige Rolle. Für Organisationen ist dieser ganzheitliche Blick besonders relevant, denn Gesundheit beeinflusst nicht nur das individuelle Wohlbefinden, sondern auch Leistungsfähigkeit, Motivation und Arbeitsfähigkeit. Welche Themen im Vordergrund stehen, hängt von den jeweiligen Arbeitsbedingungen und Zielgruppen ab. Während in manchen Bereichen ergonomische Belastungen oder Bewegungsmangel eine Rolle spielen, stehen in anderen Tätigkeiten beispielsweise Stress, Schlaf oder mentale Beanspruchung stärker im Fokus.
Warum ist Männergesundheit für Organisationen besonders relevant?
Warum ist Männergesund-
heit für Organisationen
besonders relevant?
Der Arbeitsplatz ermöglicht es, männliche Beschäftigte niedrigschwellig und unabhängig von ihrer bisherigen Nutzung medizinischer oder präventiver Angebote zu erreichen. Informationsangebote, Gesundheitsaktionen, digitale Formate und persönliche Beratung können relevante Themen in den Arbeitsalltag integrieren und die Gesundheitskompetenz stärken. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele gesonderte Maßnahmen für Männer einzuführen. Vielmehr sollten Organisationen prüfen, welche gesundheitlichen Bedarfe bestehen, welche Beschäftigtengruppen bisher kaum erreicht werden und ob Ansprache, Formate und Zugangswege zu ihrer Belegschaft passen.
Psychische Gesundheit: Wenn Belastungen nicht angesprochen werden
Psychische Gesundheit: Wenn Belastungen nicht
angesprochen werden
Psychische Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil der Männergesundheit. Im Jahr 2025 lag die Prävalenz von Depressionen bei Männern mit 12,8 % unter der von Frauen (20,4 %) (RKI, 2025). Gleichzeitig ist die Suizidrate von Männern in Europa etwa viermal so hoch wie die von Frauen. Diese Gegenüberstellung zeigt, dass einzelne Prävalenzwerte das gesundheitliche Belastungsgeschehen nicht vollständig abbilden und Hilfebedarfe möglicherweise nicht immer frühzeitig sichtbar werden. Stress, Überforderung und Erschöpfung können sich auf Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit auswirken. Für Organisationen stellt sich daher die Frage, wie Unterstützungsmöglichkeiten sichtbar gemacht und Hemmschwellen für ihre Nutzung reduziert werden können. Eine offene Kommunikation, leicht zugängliche Informationen und passende Unterstützungsangebote können dazu beitragen, Beschäftigte frühzeitig zu erreichen. Damit wird psychische Gesundheit nicht erst bei bereits bestehenden Beeinträchtigungen relevant, sondern als wichtiger Bestandteil moderner Prävention verstanden.
Auch Schlaf stellt ein relevantes Handlungsfeld dar: 30,4 % der männlichen Erwerbstätigen berichten über Ein- oder Durchschlafstörungen (RKI, 2024). Präventionsangebote sollten Schlafprobleme daher nicht nur als individuelles Verhaltensthema behandeln, sondern auch mögliche Zusammenhänge mit Arbeitszeiten, Schichtarbeit, Erreichbarkeit und psychischer Beanspruchung berücksichtigen.
Wie lässt sich Männergesundheit konkret ins BGM integrieren?
Wie lässt sich Männer-
gesundheit konkret ins
BGM integrieren?
Männergesundheit muss nicht als isoliertes Sonderthema neben bestehenden BGM-Strukturen stehen. Organisationen können vorhandene Angebote gezielt daraufhin prüfen, ob sie relevante körperliche und psychische Gesundheitsthemen abdecken, männliche Beschäftigte tatsächlich erreichen und mögliche Zugangshürden berücksichtigen. Je nach Bedarf lassen sich bestehende Formate anpassen oder durch gezielte Maßnahmen ergänzen.
Mögliche Ansätze sind beispielsweise:
Vorträge und Webinare zu Themen wie Männergesundheit, Stress, Schlaf oder Bewegung
Gesundheitstage oder Aktionswochen, die einzelne Gesundheitsthemen sichtbar machen
Kurze digitale Gesundheitsimpulse, die sich unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren lassen
Informationsangebote zu Prävention und Vorsorge, verständlich und praxisnah aufbereitet
Bewegungs- und Ernährungsangebote, die einen konkreten Bezug zum Alltag herstellen
Angebote zur psychischen Gesundheit, die einen offenen und wertschätzenden Zugang ermöglichen
Wichtig ist, Themen und Formate nicht allein aus allgemeinen Annahmen über Männer abzuleiten, sondern an den tatsächlichen Bedarfen der Belegschaft auszurichten. Beschäftigtenbefragungen, anonymisierte Gesundheitsdaten, Nutzungsquoten und Rückmeldungen zu bestehenden Maßnahmen können zeigen, welche Belastungen relevant sind, welche Angebote angenommen werden und wo Zugangshürden bestehen. So lässt sich Männergesundheit evidenzbasiert in das BGM integrieren, ohne Beschäftigte pauschal nach Geschlecht zu betrachten.
Sie möchten Männergesundheit gezielt fördern?
Nutzen Sie den Männergesundheitsmonat als Ausgangspunkt, um Reichweite, Zugänglichkeit und Themen Ihrer bestehenden BGM-Angebote zu überprüfen. Bereits gezielte Impulse können dazu beitragen, relevante Gesundheitsthemen sichtbarer zu machen und Beschäftigte früher zu erreichen.
Ziel: Männergesundheit nachhaltig in der Gesundheitskultur verankern
Ziel: Männergesundheit
nachhaltig in der Gesund-
heitskultur verankern
Der Männergesundheitsmonat kann den Anstoß geben, Männergesundheit dauerhaft in der Gesundheitskultur zu verankern. Organisationen sollten den November nicht nur für einzelne Aktionen nutzen, sondern auch prüfen, welche Beschäftigtengruppen ihre Angebote erreichen, welche Bedarfe bislang unberücksichtigt bleiben und wie bestehende Maßnahmen weiterentwickelt werden können. Ziel ist keine pauschal nach Geschlecht getrennte Gesundheitsförderung, sondern ein bedarfsorientiertes BGM, das unterschiedliche Lebenssituationen, Arbeitsbedingungen und Zugangsbarrieren berücksichtigt.
FAQ
FAQ
Was ist der Tag der Männergesundheit?
Der Tag der Männergesundheit findet jedes Jahr am 3. November statt. Er macht auf zentrale Themen der Männergesundheit aufmerksam – von Vorsorge und Bewegung bis zu psychischer Gesundheit und Schlaf. Unternehmen können den Aktionstag nutzen, um Gesundheitsangebote bekannter zu machen und zu prüfen, ob sie männliche Beschäftigte gut erreichen.
Warum ist Männergesundheit im BGM wichtig?
Männergesundheit ist für das betriebliche Gesundheitsmanagement wichtig, weil Männer Gesundheitsrisiken und Unterstützungsangebote teilweise anders wahrnehmen oder nutzen. Studien zeigen beispielsweise Belastungen bei psychischer Gesundheit und Schlaf, obwohl Männer ihren Gesundheitszustand häufig positiv einschätzen. Ein zielgerichtetes BGM kann relevante Themen sichtbar machen, Zugangshürden senken und die Gesundheitskompetenz stärken.
Welche Themen gehören zur Männergesundheit?
Zur Männergesundheit gehören körperliche und psychische Gesundheit, Vorsorge, Bewegung, Ernährung, Schlaf und Erholung. Welche Themen im Unternehmen besonders relevant sind, hängt von den Arbeitsbedingungen und den Bedürfnissen der Beschäftigten ab. Beschäftigtenbefragungen, Gesundheitsdaten und Rückmeldungen zu bestehenden Angeboten helfen dabei, passende Schwerpunkte zu setzen.
Wie können Unternehmen Männergesundheit im BGM fördern?
Unternehmen können Männergesundheit mit niedrigschwelligen und alltagsnahen Angeboten fördern. Dazu zählen Vorträge, digitale Gesundheitsimpulse, Beratung sowie Maßnahmen zu psychischer Gesundheit, Schlaf, Bewegung oder Vorsorge. Wichtig ist, die Angebote an den tatsächlichen Bedarfen der Belegschaft auszurichten und anschließend zu prüfen, wie gut sie genutzt werden.
Braucht es spezielle Gesundheitsangebote für Männer?
Spezielle Angebote für Männer sind sinnvoll, wenn Daten einen konkreten Bedarf, eine geringe Nutzung bestehender Maßnahmen oder Zugangshürden zeigen. Sie sollten vorhandene BGM-Angebote gezielt ergänzen, freiwillig zugänglich sein und nicht auf stereotypen Annahmen beruhen. Entscheidend ist, dass Inhalt, Ansprache und Format zur Zielgruppe und zum Arbeitsalltag passen.
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