Wie Schlafmangel unser Sozialverhalten steuert

Eva Engels

Trainee
Team Analysen
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Einen großen Teil unserer Lebenszeit verbringen wir schlafend. Doch oftmals priorisieren wir andere Dinge gegenüber unserem Schlaf. Häufige Folgen sind Schlafdefizite. Dass dies nicht nur mit negativen Konsequenzen für den eigenen Körper einhergeht, zeigt nun eine Studie der University of California. Untersucht wurden dabei die Auswirkungen von Schlafmangel auf unser Sozialverhalten. Die Hypothese, dass Schlafmangel die Hilfsbereitschaft auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen beeinträchtigt, konnte mit Hilfe von drei verschiedenen Studien belegt werden (Simon et al., 2022).

Verhaltensänderung durch Schlafmangel

Bereits eine Nacht Schlafentzug führt den Ergebnissen zufolge zu einem signifikanten Rückgang des Wunsches, anderen Menschen zu helfen. Und das sowohl gegenüber Fremden als auch Bekannten. Um sicherzugehen, dass der Rückgang auf den Schlafmangel zurückzuführen ist, konnten andere Faktoren wie die Stimmungslage, die Anstrengungsbereitschaft oder die individuelle Empathie ausgeschlossen werden. Der Wunsch anderen zu helfen nimmt zu, sobald der Körper wieder mit einer ausreichenden Menge an Schlaf versorgt ist (Simon et al., 2022).

Spendeverhalten sinkt

Einmal jährlich wird uns durch die Umstellung von der Winterzeit auf die Sommerzeit eine Stunde Schlaf „gestohlen“. Auch diese Situation des Schlafentzugs hat die Forschungsgruppe der University of California in Bezug auf Änderungen im Sozialverhalten untersucht. So ändert der Schlafentzug von nur einer Stunde unser altruistisches Verhalten auf einer größeren gesellschaftlichen Ebene. Es konnte ein deutlicher Einbruch des Spendenverhaltens im Vergleich zu den Wochen vor und nach der Zeitumstellung beobachtet werden (Simon et al., 2022).

Erklärung auf neurologischer Ebene

Um einen spezifischeren Einblick und ein tiefergehendes Verständnis für die Gründe dieses Verhaltens zu erlangen, wurden auch die dahinterliegenden Gehirnmechanismen beleuchtet. Die Ergebnisse zeigen, dass Schlafverlust die Aktivität in wichtigen Knotenpunkten des Gehirnnetzwerkes für soziale Kognition reduziert. Dieses Gehirnnetzwerk wird normalerweise mit prosozialem Verhalten in Verbindung gebracht. Sobald dieses Netzwerk nur in reduzierter Form aktiviert ist, werden auch weniger prosoziale Verhaltensweisen an den Tag gelegt (Simon et al., 2022).

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Quelle:
Simon E. B., Vallat R., Rossi A. et al.: Sleep loss leads to the withdrawal of human helping across individuals, groups, and large-scale societies. PLOS Biology: https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3001733 (Abgerufen am 27.09.2022)