Fachkräftelücke wächst um 47 %: Warum ältere
Beschäftigte für Organisationen wichtiger werden
Fachkräftelücke wächst um 47 %: Warum ältere
Beschäftigte wichtiger werden
Maren Beer
Alles Wichtige auf einen Blick
- Bis 2029 könnte die Fachkräftelücke in Deutschland auf 723.000 Personen anwachsen – ein Anstieg um 47 % gegenüber 2024.
- Fast ein Drittel der befragten Beschäftigten ab 50 Jahren plant, vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Berufsleben auszuscheiden.
- Flexible Arbeitszeiten, individuelle Rentenübergänge und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen können dazu beitragen, Beschäftigte 50+ länger im Beruf zu halten.
Der Fachkräftemangel in Deutschland verschärft sich
Der Fachkräftemangel in Deutschland verschärft sich
Der Fachkräftemangel in Deutschland wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter zunehmen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die Fachkräftelücke bis 2029 auf 723.000 Personen anwachsen könnte. Das entspricht einem Anstieg von 47 % gegenüber 2024. Besonders schwierig dürfte es werden, Fachkräfte mit Berufsausbildung zu gewinnen. Für Organisationen liegt darin eine doppelte Aufgabe: Sie müssen vorhandenes Erfahrungswissen sichern und zugleich Arbeitsbedingungen schaffen, unter denen Beschäftigte gesund und motiviert bis zum Renteneintritt oder darüber hinaus tätig bleiben können. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist dabei ein wichtiger Baustein einer langfristigen Fachkräftestrategie.
Die Berechnung des IW schreibt Entwicklungen aus den Jahren 2018 bis 2024 in rund 1.300 Berufen fort. Sie ist daher ausdrücklich keine klassische Prognose, sondern zeigt, wie sich der Arbeitsmarkt entwickeln könnte, wenn die bisherigen Trends weitgehend anhalten. Eine zentrale Rolle spielt der demografische Wandel: Immer mehr Beschäftigte aus den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen erreichen das Rentenalter. Für Organisationen wird es deshalb zunehmend wichtiger, vorhandene Fachkräfte durch passende Arbeitsbedingungen länger im Berufsleben zu halten.
Warum sollte die Generation 50+ stärker in den Fokus rücken?
Warum sollte die Generation 50+ stärker in den Fokus rücken?
In der Diskussion über Fachkräftesicherung stehen häufig Ausbildung, Recruiting und internationale Fachkräfte im Mittelpunkt. Ein wichtiges Potenzial befindet sich jedoch bereits in den Organisationen: Beschäftigte der Generation 50+ bringen langjährige Berufserfahrung, wertvolles Wissen und vielfältige Kompetenzen mit. Gleichzeitig zeigt der TK-Gesundheitsreport 2024, den IFBG im Auftrag der Techniker Krankenkasse durchgeführt hat, dass ein Teil dieser Beschäftigten das Berufsleben vorzeitig beenden möchte. Für die Studie wurden bundesweit 1.021 Beschäftigte ab 50 Jahren sowie 311 Arbeitgeber befragt.
Das Ergebnis ist deutlich: 31,3 % der befragten Beschäftigten planen, bereits vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Im Durchschnitt wünschen sie sich einen Renteneintritt mit 64 Jahren. Für die Fachkräftesicherung ist das eine wichtige Stellschraube. Neben der Gewinnung neuer Fachkräfte sollten Organisationen deshalb gezielt Bedingungen schaffen, die Beschäftigte der Generation 50+ dabei unterstützen, länger gesund und motiviert im Beruf zu bleiben.
Was hält Beschäftigte 50+ länger im Job?
Was hält Beschäftigte 50+ länger im Job?
Die Ergebnisse des TK-Gesundheitsreports zeigen, dass die Gestaltung der Arbeit eine entscheidende Rolle spielt. Für 73,7 % der Befragten ist es relevant, die Arbeitszeit an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen zu können, um länger im Berufsleben zu bleiben. 70,3 % wünschen sich Unterstützung bei der individuellen Gestaltung des Renteneintritts. Darüber hinaus sind ein höheres Gehalt, Wechselmöglichkeiten zwischen Teilzeit und Vollzeit sowie gesundheitsförderliche Maßnahmen von Bedeutung.
Die Studie zeigt, dass Flexibilität, Selbstbestimmung, Sinnstiftung und Wertschätzung wichtige Voraussetzungen für eine längere Beschäftigungsdauer sind. Besonders relevant ist die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber: Beschäftigte, die sich ihrem Arbeitgeber stärker verbunden fühlen, planen ihren Renteneintritt im Durchschnitt 0,68 Jahre später. Für Organisationen folgt daraus, dass die Bindung der Generation 50+ nicht erst kurz vor dem Renteneintritt beginnen darf. Entscheidend ist vielmehr eine Arbeitsgestaltung, die langfristig zu den Bedürfnissen und Lebenssituationen der Beschäftigten passt.
Sie möchten erfahren, wie sich die Erkenntnisse der Studie in eine wirksame Fachkräftestrategie übersetzen lassen? In unserem Vortrag „Fachkräfte Generation 50+“ greifen wir die zentralen Ergebnisse auf und geben praxisnahe Handlungsempfehlungen, wie Arbeitgeber ältere Beschäftigte langfristig binden können.
Wie können Organisationen Beschäftigte 50+ langfristig stärken und binden?
Wie können Organisationen Beschäftigte 50+ langfristig stärken und binden?
Für HR- und BGM-Verantwortliche ergeben sich daraus mehrere konkrete Ansatzpunkte, um Mitarbeiterfluktuation und Fachkräftemangel entgegenzuwirken:
Arbeitszeit flexibler gestalten: Flexible Arbeitszeitmodelle können Beschäftigten ermöglichen, ihre berufliche Tätigkeit stärker an die eigene Lebenssituation anzupassen. Dazu können beispielsweise individuelle Arbeitszeiten oder Wechselmöglichkeiten zwischen Teilzeit und Vollzeit gehören.
Den Übergang in den Ruhestand individuell gestalten: Nicht für alle Beschäftigten ist der klassische Übergang von Vollzeitbeschäftigung in den Ruhestand die passende Lösung. Individuelle Modelle können dabei helfen, Beschäftigung schrittweise zu reduzieren und gleichzeitig Erfahrungswissen länger in Organisationen zu halten.
Gesundheitsförderung stärken: Gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen und bedarfsgerechte Präventionsangebote können dazu beitragen, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit über das gesamte Erwerbsleben hinweg zu erhalten. Der TK-Gesundheitsreport weist zudem auf einen Zusammenhang zwischen Fehlzeiten in jüngeren Jahren und der Wahrscheinlichkeit hin, im höheren Alter über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Prävention sollte deshalb nicht erst kurz vor dem Renteneintritt ansetzen, sondern Beschäftigte frühzeitig und kontinuierlich begleiten.
Wertschätzung und Verbundenheit fördern: Beschäftigte wollen nicht nur möglichst lange arbeiten können, sondern auch das Gefühl haben, mit ihrer Arbeit und ihrem Betrieb verbunden zu sein. Führung, Anerkennung und eine wertschätzende Unternehmenskultur können deshalb ebenfalls Teil einer langfristigen Fachkräftestrategie sein und die Mitarbeiterbindung stärken.
Bedürfnisse der Beschäftigten kennen: Maßnahmen entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie zu den tatsächlichen Bedürfnissen der Belegschaft passen. Eine gezielte Beschäftigtenbefragung schafft dafür eine fundierte Grundlage: Sie zeigt, welche Arbeitsbedingungen, Belastungen und Präventionsangebote für Beschäftigte der Generation 50+ besonders relevant sind.
Entscheidend ist das Zusammenspiel der Maßnahmen: Wenn Organisationen Arbeitsgestaltung, Gesundheitsförderung und Wertschätzung konsequent an den Bedürfnissen der Beschäftigten ausrichten, stärken sie nicht nur die Generation 50+, sondern sichern zugleich wertvolles Erfahrungswissen und ihre langfristige Fachkräftebasis.
FAQ
FAQ
Wie viele Beschäftigte der Generation 50+ wollen vorzeitig in den Ruhestand gehen?
Laut aktueller IW-Arbeitsmarktfortschreibung könnte die Fachkräftelücke bis 2029 auf 723.000 Personen anwachsen. Das wären 47 % mehr als 2024.
Wie viele Beschäftigte der Generation 50+ wollen vorzeitig in den Ruhestand gehen?
31,3 % der im TK-Gesundheitsreport 2024 befragten Beschäftigten ab 50 Jahren planen, vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Berufsleben auszuscheiden.
Was wünschen sich Beschäftigte 50+, um länger im Job zu bleiben?
Besonders wichtig sind flexible Arbeitszeiten, eine individuelle Gestaltung des Renteneintritts, Möglichkeiten zum Wechsel zwischen Teilzeit und Vollzeit sowie gesundheitsförderliche Maßnahmen. Auch Wertschätzung, Selbstbestimmung und Verbundenheit mit der Organisation spielen eine wichtige Rolle.
Welche Rolle spielt Gesundheitsförderung bei der Fachkräftesicherung?
Gesundheitsförderliche Maßnahmen können dazu beitragen, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten und Beschäftigte länger im Berufsleben zu unterstützen. Der TK-Gesundheitsreport weist außerdem auf einen Zusammenhang zwischen Fehlzeiten in jüngeren Jahren und der Wahrscheinlichkeit hin, im höheren Alter über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten.
Wie können Organisationen die Generation 50+ gezielt binden?
Organisationen können unter anderem flexible Arbeitszeiten ermöglichen, individuelle Übergänge in den Ruhestand unterstützen, gesundheitsförderliche Angebote stärken und Wertschätzung sowie Verbundenheit fördern. Entscheidend ist, die konkreten Bedürfnisse der Beschäftigten zu kennen und Maßnahmen daran auszurichten.
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